Samstag, 23. Januar 2016

Mallorca, Mama und der Mandelkuchen

Ende Januar oder im Februar sind wir gemeinsam gestartet. Zehn Jahre lang. Nachdem meine Mutter 80 geworden war haben wir damit begonnen. Einmal im Jahr eine Mutter-Tochter Woche, die uns mit einer Ausnahme, immer nach Mallorca geführt hat. 

Mallorquinischer Mandelkuchen


1989 fand meine damals 68 jährige Mutter noch einmal ein neues Lebensglück, nachdem sie früh Witwe geworden war. Mein Vater war schon 1983 verstorben. Der neue Mann an der Seite meiner Mutter war ein intelligenter Feingeist, der wunderbare Bilder malte und Fernweh hatte. Da meine Mutter auch dieses Reise-Gen im Blut hatte, haben beide die Welt bereist. Scherzhaft haben wir manchmal angeboten einen Koffer mit frischer Wäsche zum Bahnhof zu bringen, damit sie nur noch schnell in den anderen Zug springen müssten. Sie haben ihre gemeinsame Zeit genossen und wir haben das gern gesehen. 



Die schöne Zeit endete mit seinem Tod. Meine Mutter war wieder allein und hat ihr Leben erneut solo gemeistert. Als sie 80 wurde hatte sie keinen Mut mehr zu Reisen allein und hat von der Erinnerung gelebt. So kam es das ich ihr eine Freude machen wollte, indem ich mit ihr nochmals zu ihren schönsten Erinnerungen reiste. Die erste Reise führte uns nach Mallorca. Meine Mutter schwärmte von der schönen Insel und ich war sofort begeistert. Diese Landschaft, die Menschen, das wunderbare Essen - wir wollten beide nie woanders hin. Und das möglichst immer zur Zeit der Mandelblüte. Die Ausnahme war eine Reise nach Madeira, ebenfalls sehr schön und erlebnisreich, aber danach wieder nach Mallorca. 






In den ersten Jahren hat meine Mutter mir die Insel gezeigt. Die Klöster, die malerischen Städte und kleinen Dörfchen, die einsamen abgelegenen Buchten, die Küstenstraßen entlang am Meer, die Kap`s mit ihren Leuchttürmen, die Windmühlen, die bunten Märkte, die Kirchen, die alten Olivenbäume. Und sie hat sich immer wieder gefreut darüber, dass ich aus dem Auto gesprungen bin und habe die schönsten jedes Jahr wieder fotografiert. Jahr um Jahr haben sich unsere Reisen dahin geändert, dass ich meiner Mutter die Plätze ihrer Erinnerungen wieder gezeigt habe. Und wir haben zusammen gelacht und gemeinsam gekocht und meine Mutter hat diese Zeit genossen. Und ich auch. Als junge Frau hatte ich wenig Zeit für sie und konnte ihr nun ein bisschen zurück geben und mich ihr nah fühlen.



Zu unseren Traditionen gehörten bestimmte Orte und bestimmte Gerichte. Der Knabenchor im Kloster Llluc, Die Fahrt zum Cap de Formentor und auf der kilometerlangen Straße auf Meereshöhe nach Port Alcudia, der Spaziergang durch Deia und die anschließende Fahrt an den 1000-jährigen Olivenbäumen vorbei, hinunter nach Sóller. Der Fischtopf mit frischem Fisch und Garnelen musste immer gekocht werden und der Mandelkuchen, der traditonelle mallorquinische, musste immer dabei sein.

2010 sollte es unsere letzte Reise sein. Meine Mutter litt nach und nach mehr unter Demenz und hat die letzten zwei Jahre ihres Lebens im Bett verbringen müssen. Ich habe sie begleitet bis zu ihrem Tod mit 92 Jahren und immer versucht, ihr ein bisschen etwas von unserer gemeinsamen Zeit auf Mallorca in Erinnerung zu rufen. Fotos betrachten und ab und an einen Mandelkuchen backen. Da haben ihre Augen manchmal wieder geleuchtet.


Und immer, wenn ich ihn jetzt mal wieder backe, kommen diese Erinnerungen zurück. Mit einer ganzen Menge Traurigkeit und auch ein bisschen Dankbarkeit.

Gató de almendra (Mallorquinischer Mandelkuchen) 


Fett für die Form
8 Eier (Gr. M)
1 EL ​Vanillezucker
250 g Zucker
300 g gemahlene Mandeln (ohne Haut)
abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone 
1 TL Zimt
ein paar ganze Mandeln ohne Schale
Puderzucker zum bestäuben

Ofen vorheizen (E-Herd: 175°C/Umluft: 150°C/Gas: Stufe 2). Eine Springform (26 cm Ø) fetten. Eier trennen. Eigelb, Vanillezucker und Zucker mit den Schneebesen des Rühr​geräts cremig rühren. Gemahlene Mandeln, abgeriebene Zitronenschale und Zimt unterrühren. 

Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben. Mandelmasse in die Form streichen. Im heißen Backofen 50–60 Minuten backen. Stäbchenprobe machen. Zwischendurch die Mandelkerne grob hacken. In einer kleinen Pfanne rösten. Herausnehmen, auskühlen lassen.

Kuchen aus dem Ofen nehmen. Springformrand vorsichtig lösen. Auskühlen lassen und vom Formboden lösen. Kuchen mit reichlich Puderzucker bestäuben und mit den gerösteten Mandeln bestreuen. 





Kommentare:

  1. Liebe Petra!
    Danke dass du das mit uns teilst..man sollte echt nicht vergessen, dass das Leben nicht unendlich ist..grad bei Mamas mag man das nicht wahrhaben.
    lg. Sina

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    1. Ja, so ist es Sina. Und deshalb habe ich daran erinnern wollen, nicht nur wegen des Rezeptes.

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  2. Wunderschöner Post, gefällt mir sehr gut. Das hat bei mir auch Erinnerungen geweckt als ich in den 90zigern mit meiner Schwiegermutter unterwegs war und ganz tolle Erlebnisse hatten, viele schöne Orte entdeckt haben und natürlich auch gutes Essen, ich denke gerade Schottland und den Lachs hach. Leider war der Süden nicht so Ihres, aber ich mags gern warm. Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Ingrid

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    1. Danke, liebe Ingrid. Gute Erinnerungen haben eben sehr oft auch etwas mit gutem Essen zu tun.

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  3. Sehr schön geschrieben. Mein Mutter lebt leider schon lange nicht mehr.Sei dankbar für diese Zeit. Man sollte sich solche Erinnerungen immer bewahren und in Verbindung mit so einem tollen Kuchen, dass ist doch Klasse. Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende.

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  4. Danke, liebe Katrin, wünsche ich dir auch. Ja, Erinnerungen zu bewahren, dass sollten wir uns nicht nehmen lassen.

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