Thüringer Quarkkeulchen und wie Foodblogger sonst noch so ticken

Foodblogger sind  Menschen, die in erster Linie gern kochen. Sie haben leicht exhibitionistische Züge und wollen, dass alle Welt an ihrem Hobby Anteil hat. Es sind diejenigen, die bei jedem gut gedeckten Tisch mit dem Fotoapparat nach vorn stürmen und rufen.... : Lassen sie mich durch, ich bin Foodblogger …! Sie essen gern und genießen das. Grundzüge davon haben auch Menschen, die essen um des Genusses willen und nicht nur um zu überleben. Bei ihnen ist diese Krankheit aber noch nicht vollständig ausgebrochen.

Soweit zu einer weit verbreiteten Meinung, die ich zum Beispiel öffentlich nicht versuche zu korrigieren. Sollen sich doch alle in Sicherheit wiegen, dass wir nur unserem Affen Zucker geben und harmlose Spinner sind. Aber die nackte Wahrheit dazu schreibe ich mal hier, wir sind ja unter uns.

Thüringer Quarkkeulchen


Wir Foodblogger haben (fast) alle ein Ziel, welches wir unbeobachtet, weil oft belächelt, schnurstracks verfolgen: Mit unseren Fotos und unseren Geschichten wollen wir die Menschen dazu anregen, das nachzumachen was sie sehen. Nach dem Motto: Das kann ich doch auch! Einfach mal das Äußerste tun und selbst kochen ! Um nach und nach zu merken, dass es sogar Spaß machen kann. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Wir zeigen, was man aus einfachen Zutaten zubereiten kann, mit oder ohne großen Aufwand und sogar preiswert. Wir betonen dann so ganz beiläufig, dass solche Vorgehensweisen auch noch die Grundlagen für eine gesunde Ernährung und ein gesundes Leben sind. So kann eine der ältesten Künste nicht aus unserem Alltag verschwinden.

Und wir zeigen, ohne erhobenen Zeigefinger, dass wir uns auch heute noch Mühe geben sollten unsere für uns gewachsene Nahrung, aus Fauna und Flora, komplett zu verspeisen. „From nose to tail“, wie der Engländer zu sagen pflegt. Genauso, wie es unsere Großeltern noch gemacht haben. Und das ist nicht „igitt“, es ist lecker! Hier sei der inflationär gebrauchte Ausdruck einmal erlaubt. Nierchen in Weißweinsahne, Leber als Knödel oder gebraten, statt des langweiligen Filets einmal ein Stück Hohe Rippe in die Pfanne geben - und eine Kohlrübensuppe, mit gekochten Schweinefüßen, ist ja ohnehin das Größte. So wie bei Oma.

Thüringer Quarkkeulchen


Wir Foodblogger schummeln diese Gedanken bei unseren Lesern so durch die Hintertür, in dem wir unsere Gerichte in den schönsten Farben und mit appetitanregenden Fotos schildern. In Thüringen haben wir ja da ohnehin ein Schlaraffenland. Die wunderbare Natur bringt alles hervor, was für unsere Ernährung wichtig, richtig uns gesund ist.

Ein bisschen laut und direkt werden wir höchsten dann, wenn die Produktion von Lebensmitteln auf Kosten der Ressourcen, besonders der Tiere, in Massenproduktion ausartet, nur um billig zu produzieren. Dann rufen wir laut: Kauft das nicht und esst das nicht. Kauft einmal in der Woche Fleisch und dann ein gesund produziertes, esst keine billig produzierten Lebensmittel aus billigen Zutaten. Nach den Gesetzen der Marktwirtschaft wird das, was nicht gekauft wird, auch nicht produziert. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg und ich hoffe, wir werden ihn zusammen gehen.

Was mir persönlich also auch am Herzen liegt, ist die Umwelt, die uns unsere Nahrung schenkt, bzw. der wir sie abringen. Ob nun mit oder ohne Fleisch bzw. auch ganz ohne tierisches Eiweiß. Es ist so einfach das zu kaufen und natürlich auch zu ernten, was gerade reif ist und in die Jahreszeit passt. Dann merkt man irgendwann, Mensch, das schmeckt ja jetzt genau richtig ... so wie früher. Womit wir auch noch bei einem anderen Grund sind, warum Foodblogger Food „verbloggen“ und das gelesen wird.: Wir geben Erinnerungen weiter, Kindheitserinnerungen, denen man bei uns nachschmecken kann, oder die wir für unsere Leser ausgraben und versuchen zu bewahren.

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass die meisten Erinnerungen an früher etwas mit Gerüchen oder Geschmack zu tun haben ? Was die Oma gekocht hat, wie es in der Stube nach Sonntagskuchen roch. Und der eine oder andere versucht das dann nach zu kochen oder zu backen und die Rezepte für diese  Alltagsküche findet er bei uns. Auf unseren Blogs, die so vielseitig sind wie ihre Urheber.

Thüringer Quarkkeulchen


Noch ein Tipp von mir: Fragt eure Mütter und Großmütter nach euren Familienrezepten. Zum einen wollt ihr sie irgendwann selbst zubereiten, glaubt mir das, und zum anderen wird die Zeit kommen, wo Oma und Mutter euch fragen, wie das ging. Und nehmt eure Kinder mit dazu. Kocht gemeinsam und setzt euch auch an einen großen Tisch zum Essen und sprecht über alles was euch beschäftigt und bewegt. Alte Traditionen, die wir nicht vernachlässigen sollten.

So gesehen sind wir doch gar keine so großen Spinner, oder? Ich schlage vor, dass wir unser kleines gemeinsames Geheimnis jetzt besiegeln, in dem wir zusammen etwas Schönes kochen, etwas mit Thüringer Tradition: Quarkkeulchen. Die hat die thüringische Oma ihren nach Süßem quengelten Enkeln früher zubereitet.

Thüringer Quarkkeulchen


Dazu benötigst du 650 gr. Kartoffeln vom Vortag (oder abgekühlte Pellkartoffeln), 
150 gr. Mehl, 
200 gr. mageren Quark
50 gr. Zucker, 
1 unbehandelte Zitrone, 
1/2 Teel. Salz, 
2 Eier, 
Rosinen, 
neutrales Öl ( du musst darauf achten, das es hoch erhitzt werden kann), 
Zimt und Zucker zum bestreuen.


Die Kartoffeln durch die Presse drücken und locker mit dem Mehl vermengen. Die Zitrone abreiben und den Saft einer halben Zitrone bereit stellen. Quark, Ei, Zucker, Salz, Abrieb der Zitrone plus Saft und die Rosinen dazu geben. Das Ganze zu einem Teig kneten. Das musst du rasch tun, denn Kartoffelteig ist ein Sensibelchen, wenn man zu lange vermengt und knetet, wird er weich und schleimig. 

Also schnell vermengen. Der Teig ist etwas feucht und klebt an den Händen. Dann kein Mehl mehr zugeben, sondern nur leicht die Hände ein bisschen bemehlen. Nun immer gleiche Teilmengen abtrennen. Daraus die Teilchen formen, so etwa wie Frikadellen. In eine Pfanne (…in Thüringen sagt man übrigens Schaffen) reichlich Öl geben und erhitzen. Die Quarkkeulchen sollten darin leicht schwimmen. Von beiden Seiten goldbraun braten. Aus dem Fett nehmen und auf einem Küchenkrepp entfetten. In einer Mischung aus Zimt und Zucker wälzen und möglichst lauwarm essen, sie schmecken aber auch kalt. Guten Appetit.