Dienstag, 30. Juni 2015

Beschaulich, aber nett: Dîner en blanc in Weimar

Ausgerechnet an meinem ersten mal sollte es regnen und die Absage drohen, für das Dîner en blanc  in Weimar am 27.Juni 2015. Der Siebenschläfer Tag glänzt ja gern mal mit Wetterkapriolen und in diesem Jahr prophezeite er uns damit einen feuchten Sommer. 
Nach jahrelanger gesellschaftlicher Enthaltsamkeit, durch das Leben in Abgeschiedenheit auf dem Land, wollte ich also mal was Neues in Weimar ausprobieren und das Dîner stand schon auf meiner Liste.

Als Dîner en blanc sind auf Privatinitiative beruhende, über Netzwerke von Freunden und Bekannten organisierte Massenpicknicks weiß gekleideter Menschen, an bekannten städtischen Orten. Begonnen hat es in Paris und mittlerweile gibt es gleichartige Veranstaltungen weltweit und auch in mehreren deutschsprachigen Städten.

Als Ursprung der Veranstaltung gilt der Sommer 1988, als Francois Pasquier seine überfüllte Gartenparty spontan in den nahegelegenen Bois de Boulogne verlegte. In der Folge verabredete man sich jeden Juni zu einem gemeinsamen, polizeilich nicht angemeldeten Picknick an einem öffentlichen aber bis zuletzt geheim gehaltenen Ort in Paris. Verpflichtend für alle Teilnehmer ist vollständig weiße Kleidung von Kopf bis Fuß. Selbst mitgebrachte Tische und Stühle werden zu langen Tafeln zusammengestellt, alle Teilnehmer bringen etwas zu Essen und Getränke mit….

Dîner en blanc in Weimar 2015


Auch in Deutschland hat diese Idee Nachahmer gefunden. Im Mai 2010 fand beispielsweise das erste Dîner en blanc in  Berlin mit etwa 400 Teilnehmern statt und im Juli  trafen sich 500 Gäste ganz in weiß im Münchner Hofgarten. 2011 trafen sich zum 'Dîner en Blanc' knapp 1000 Menschen in Berlin und rund 800 in München 


Das es in Weimar wohl etwas beschaulicher zugehen würde, war mit schon klar. Aber damit ich mich nicht so allein auf den Weg mache musste, konnte ich Norbert zur meiner Begleitung überreden. Er war schon mal dabei vor einigen Jahren und nachdem ich Essen versprach und er für das Trinken sorgen konnte, waren wir uns schnell einig. Norbert hat sich mit einer in kürzester Zeit selbst desingten Toga gekleidet (weil er trägt sonst nur schwarz) und hatte einen für den Anlass passenden Gipsarm, natürlich in weiß.

Dîner en blanc Weimar 2015


Trotz schlechter Prognosen begaben wir uns zum recherchierten Treffpunkt auf dem Frauenplan, um dort von einer Schlechtwettervariante zu erfahren, die dem Abend noch eine ganz unverhoffte aber sehr interessante Wendung gab. Wir konnten Tisch und Stühle im Auto lassen und nahmen gemeinsam mit etwa 70 Menschen platz in einem der Säle, der im Umbau befindlichen Notenbank Weimar. 

Als sehr netter Tischnachbar erwies sich Matthias, den ich von Facebook kannte und nun in natura kennen lernen konnte. Wir haben uns sehr gut unterhalten, über Weimar und die Weimarer die wir kannten und natürlich auch übers Essen. Und davon gab es wirklich eine ganze Menge. Das war eine tolle Auswahl und man konnte hier und da auch kosten und sich über Zubereitungen austauschen, denn alles wurde bereitwillig herumgereicht. Vom tollen Zwiebelkuchen von Matthias, über Kartoffelsalat a la Hemmingway, Quiche, Reis-und Nudelsalaten, Muffins mit Karotte, verschiedenen Tartes bis zum Dessert mit Pana cotta, frischem Obst und Kuchen.

Dîner en blanc Weimar 2015


Ich hatte Zucchini Involtini und Brownies mitgenommen. Für die Rezepte einfach klicken !

Das Speisen mit fremden Menschen in einer unaufgeregten Atmosphäre, schöner Umgebung (beim nächsten mal hoffentlich in der Natur) und bei dezent begleitender Akkordeonmusik, hat mir echt Freude gemacht. Ich bin also infiziert und hoffe, dass im nächsten Jahr die Tafel viel länger wird. Wer offen ist für die Begegnung mit Anderen  und den Austausch über einfach alles, auch übers gute Essen, der ist hier richtig. Ich jedenfalls freue mich auf 2016.

Gern möchte ich nochmals auf das Gebäude zurück kommen, in dem das Dîner Schlechtwetter-Asyl bekommen hat. Die Notenbank soll also ihrem Namen wieder alle Ehre machen, aber im eigentlichen Wortsinn. Konzerte und Veranstaltungen soll es geben und das was es jetzt schon an Stand der denkmalgerechten Renovierung zu sehen gab,  lässt Erfolg vermuten. Und das Tüpfelchen auf dem i war die Führung vom Verwalter der Komplexes, Anselm Graubner, durch die Tresore der ehemaligen Bank. Ich glaube keine der Anwesenden war jemals da drin. Ich muss sagen, dass war sehr interessant und ich werde auf alle Fälle zum Tag des offenen Denkmals mit meinem Mann nochmals hingehen. Denn die anderen historischen Räume interessieren mich auch sehr.



Tresore in der Notenbank Weimar

Tresore in der Notenbak Weimar

Und zum guten Schluß noch ein ganz besonderer "Leckerbissen". Matthias hat mir Fotos zur Verfügung gestellt, die mit einer ganz besonderen Kamera geschossen sind. Sozusagen Rundblick - also gern mal reinschauen. dazu einfach HIER KLICKEN ! UND HIER UND HIER ....
Danke Matthias !


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