Dinner im Grünen

Wie ich den Mai liebe. Da können sich die wintermüden Augen wieder so richtig mit Farbe vollsaugen. Wiesengrün, Lindengrün, Ahorngrün, Fichtengrün, Brennesselgrün.....wieviel gibt es. Knoten ins Taschentuch gemacht. Ich muss das mal bei Gelegenheit durchzählen. Und erst das Gelb. Rapsgelb,  Löwenzahngelb,  Butterblumengelb, Tulpengelb, Forsythiengelb.... Ich kann mich nicht satt sehen an den ganzen Grün`s und Gelb`s , dem Rot der einzelnen Tulpen und Ranunkeln, den blühenden Bäumen. 

Wogende Rapsfelder und wünderschöne Löwenzahn geschmückte Wiesen.Der Pessimist klagt über mit Blütenstaub verfärbte Autos und rennt mit einem scharfen Messer in den Garten um dem Löwenzahn den Garaus zu machen, oder bekämpft ihn großflächig mit dem Rasenmäher. Ich betätige mich als Hüter der erwachenden Natur und versuche so viel wie möglich zu verarbeiten. Frühlingskraft ins Glas zu bringen, für spätere, kraftlosere Zeiten.


Vom Bärlauch gibt es so oft es passt die spezielle Würze ans Essen. Schon ein mit geschnittenem frischem Bärlauch belegtes Brot ist ein Festmahl. Bevor er anfängt zu blühen wird nochmals alles greifbare geerntet und zerkleinert mit Öl haltbar gemacht, für Salate oder auf eine Suppe. Die frischen Brennesseltriebe ergeben den sehr guten Spinat, gekocht genau wie dieser, allerdings vorher blanchiert um die lästigen Nesselhärchen zu entspannen. Vom Löwenzahn kleine, feine Blätter im Salat sind dem Rucola ähnlich und selbst das bösartige Unkraut Giersch, kann einen Salat krönen.


Vom Löwenzahn, übrigens in unseren Breiten auch Bimbaum genannt,  kann ich leider nur einen geringen Teil verwerten. Auch bei Berücksichtigung aller zukünftigen Mitbringsel- und Verschenkgelegenheiten.
Aber trotzdem,  ich krieche über die Wiese und atme ihn ein, den Mai und freue mich auf die kommenden Tage, Wochen, Monate, in denen es zu ernten und zu genießen gibt, was die Natur so reichhaltig verschenkt.

Für den Löwenzahngelee sammle ich die Köpfe am frühen Mittag, wenn die Sonne beginnt darauf zu scheinen und sie ihre Blüten bereitwillig öffnen, also an einem trocknen Tag. Ich entferne das Grüne so gut es geht und schaffe so eine Menge von 250 Gramm - mühsam, mühsam...... Handschuhe dabei anziehen ist, glaube ich,  ein guter Tipp.
4 Zitronen, die mit der "essbaren" Schale, werden gesäubert und geviertel. Ebenso eine Orange. Ist behandelte Schale vorhanden, wird sie entfernt. Das kommt zu den Löwenzahnblütenblättern und auch ein Liter Wasser.  Jetzt schön gemütlich eine Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Dann wird gefiltert, um eine möglichst klare Flüssigkeit zu bekommen. Jeder hat da so seine Methode.Ich schwöre auf Kaffeefilter. Dauert endlos lange, aber ist grundhaft gut. Fast fertig. 750 ml Flüssigkeit abmessen und mit einem Gelierzucker (bitte Bio kaufen wegen dem Planfett !) zu Gelee verkochen. Sprudelnd in die Gläser füllen.

Oder wer es richtig süß mag, für den ist Löwenzahnhonig eine Option. Die Vorbereitungen laufen gleich ab. Nur noch ein bisschen mehr Blütenmenge wird benötigt, insgesamt 300 Gramm und Wasser braucht man hier einen Liter. Ist die Flüssigkeit fertig und gefiltert wird sie mit 2 kg Zucker versetzt und dann etwa 1 Stunde langsam gekocht. Hier empfiehlt sich ein großer Topf, da es schäumen kann. Gelierprobe machen und dann abfüllen. Ist ja ne Menge Zucker, aber die Verwendung erfolgt ja in verträglich kleinen Mengen.
Beides goldgelb,  findet es auch Verwendung als Beigabe zum Salatdressing oder bei Süßspeisen.

Also los, raus in den Garten. Es gibt viel zu tun.......