Fire&Dine von Nils Jorra: Lammkoteletts mit Pfirsich-Salsa, roter Zwiebel und grünen Oliven
Nils Jorra „kenne“ ich seit einigen Jahren. Auf Instagram, dem Jahrmarkt der kulinarischen Eitelkeiten, bleiben ein paar Profile immer wieder hängen. Seine Beiträge erkenne ich meist schon auf den ersten Blick. Mit viel Fingerspitzengefühl kocht und agiert hier jemand, der wirklich ganz in seiner Arbeit aufgeht. Zumindest empfinde ich das so. Seit seiner Ankündigung vor ein paar Monaten, dass sein Wunsch nach einem Buch in Erfüllung geht, ist die Spannung gestiegen und ich habe mich schon darauf gefreut.
Nils schreibt weiter: „Essen wird hier (andere Grill-Bücher) nicht gedacht, sondern verteidigt. Dieses Verständnis von Grillen ist laut, nicht selten übergewichtig. Genuss wird mit Sattsein verwechselt, Qualität mit Menge. Der Prozess endet dort, wo das Fleisch vom Rost kommt. Themen wie gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit oder gar Vegetarismus werden … belächelt“.
Das sind die Sätze, die mir beim Anlesen des Buches schon mal Freude bereitet haben. Sprechen Sie mir doch aus der Seele. Das Fleisch auf dem Grill oder eben auch das Gemüse sind für mich meist nur Teil einer Mahlzeit und rundherum wird das gebaut, was das Essen zu einer Freude macht. Eine besondere Soße, Gemüse, eine Beilage als Ergänzung oder ein Pfannenbrot mit einem schönen Dip.
Nils schreibt: "Genuss entsteht durch spannende Aromen, aufregende Texturen und logische Kombinationen. Grillen wird von mir nicht neu erfunden, sondern erweitert. Weg vom isolierten Akt hin zu einem ganzheitlichen Verständnis des Kochens mit Feuer. Nicht komplizierter, sondern bewusster … weitergedachte Kulinarik rund um das Thema Grillen.“
Fire&Dine - Draußen kochen! 130 Rezepte zum Grillen, Kochen, Schmoren und Backen- ein Titel, der neugierig macht und eine ganze Menge verspricht.
Beim Lesen der Einleitung und der ersten Rezepte ist mir eines sehr positiv aufgefallen: Die verwendeten Zutaten stehen bei mir im Regal. Also kein Kochbuch, das die Erweiterung des Gewürzregals um mehrere exotische Zutaten verlangt, sondern genau aus denen schöpft, die ich, wie selbstverständlich auch bei mir in der Küche verwende.
Ich lese weiter: „Ein Punkt, der dabei ganz bewusst so ist, betrifft die Vielfalt - oder besser gesagt den Umgang damit. In diesem Buch wiederholen sich Zutaten, Gewürze und Aromenkombinationen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Überzeugung. Wenn man in die eigene Küche schaut, stellt man fest: es gibt Zutaten, die kennt man, aber sie stehen trotzdem nicht im Regal. Und das hat meistens einen guten Grund. Man nutzt sie nicht, und sie passen nicht zur eigenen Art zu kochen.“
Das ist bei mir nicht anders. Diese Konsequenz in der Gestaltung der Rezepte gefällt mir außerordentlich gut.
Beim Lesen der Rezepte im Detail sind mir deshalb sehr viele sofort aufgefallen, die jetzt unbedingt aufs Nachkochen warten. Sei es, dass gerade genau dieses Stück Fleisch bei mir auf die Verarbeitung wartet (Gegrilltes Onglett mit Pfefferrahmsoße), oder eine Kombination so sehr spannend erscheint (Karotten in Rote Bete Sud mit Kapern, grünem Pfeffer und Haselnussöl). Ich liebe Pastinaken und die wird es bestimmt bald als „Lauwarmer Salat mit Ricotta und in Apfelessig eingekochten Rosinen“ geben.
In manchem Rezept ist es auch nur dieses kleine Quentchen Rauch, dass dem Gericht einen anderen Kick gibt, wie beim Smoked Beef Tatar, mit Rote-Bete-Remoulade, Gin-Frischkäse und Kaviar.
Und dann Lammkotelett mit Pfirsich-Salsa, roter Zwiebel und grünen Oliven! Letzteres war übrigens genau das richtige für dieses Wochenende, denn sowohl wunderbar reife Pfirsiche als auch die Lammkoteletts standen bei mir bereit. Auch wenn Nils schreibt, dass die „Kombination der Aromen vielleicht etwas willkürlich auf den ersten Blick wirken könnte“, haben sie mich sofort angefixt. Das Spiel aus Süße, Salz und Säure, welches die Pfirsichsalsa versprach, auch noch in Kombination mit Koriander, da konnte ich nicht widerstehen. Und meine Vorstellung hat mich nicht getäuscht. Gegen das Einerlei von Rosmarin und Knoblauch kann diese Aromenkombination auf alle Fälle ankommen und wird bestimmt wieder so oder so ähnlich verwendet.
Viele weitere kleine Platzhalter stecken jetzt im Buch, welches mich bestimmt durch den Sommer weiter begleiten wird. Und da im Buch auch Empfehlungen für Herbst und Winter zu lesen sind, könnte es ein Running Gag in meiner Küche werden.
Die meisten den Rezeptfotos stammen von Nils selbst und zeigen die Rezepte in einer klaren Bildsprache. Kein Schnickschnack, gut und raffiniert gekochtes Essen, dessen verständliche Rezepte zum Nachkochen animieren.
Die Rezepte werden ergänzt durch ein Kapitel über verschiedene Grilltechniken und eines für Basisrezepte, Getränke & Menüempfehlungen.
Solltest du dich wie ich für dieses Buch begeistern können, würde ich mich freuen, wenn du es durch diesen Link kaufst. Klick!
In jedem Fall wünsche ich dir neue kulinarische Erkenntnisse und immer gleichmäßige Glut unter deinem Grillgut.




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