Geflügelsalat, oder von Broilern und akrobatischen Volkstänzern

Das Brathuhn, bekannterweise in unseren Breitengraden vormals als ´Broiler´ bekannt, wird bei uns gern auf dem Tisch des Hauses gesehen. Seinen Namen hat es so intern auch behalten. Auch wenn offiziell keiner mehr den Begriff verwendet, um sich nicht als ewig gestriger Ossi zu outen.

Da ist dieses Huhn in guter Gesellschaft, denn es gibt einige Begriffe, die  heute keiner mehr kennt bzw. hören möchte. Die DDR war ja der Großmeister im erfinden neuer Bezeichnungen, um sich vom bösen Klassenfeind unbedingt auch noch durch das Vokabular zu unterscheiden.

Das fing an bei den Berufen. Die schönen traditionellen, Jahrhunderte alten Handwerksberufe wurden fix mal umgetauft. Statt Tischler gab es z.B. 'Facharbeiter für Holzbearbeitung' und meine ersten Jahre als Feintäschner standen unter der Überschrift 'Facharbeiter für Lederwaren'. Auf dem Praxisschild des Zahnarztes stand 'Stomatologe'.
In der Hinsicht wird der Unsinn heute fleißig fortgesetzt, denn die gute alte Sekretärin ist jetzt eine Kauffrau für Bürokommunikation, na ja ......

Es ging weiter mit dem berühmten Weihnachtsengel, der eine 'geflügelte Jahresendfigur' wurde. Die armen Engel machten deshalb gleich mal einen Bogen um die sozialistische Kultur und blieben unseren Brüdern und  Schwestern im Westen  vorbehalten.

Der Breakdancer ( ja, es gab auch eine schüchtern aufkeimende Hipp-Hopp Kultur ) war ein 'akrobatischer Volkstänzer, der Stuntman war ein 'Kaskadeur', das T-Shirt wurde zum 'Nicki',  die Jeans waren 'Nietenhosen' und wer Aerobic betrieb, machte das unter dem Begriff 'Popgymnastik'. Der  'Lipsi' schaffte es aber trotz größter Bemühungen nicht, den verpönten Rock'n Roll abzulösen.

Schöne humorvolle Begriffe entstanden dann im täglichen Sprachgebrauch. Sprach wer von 'blauen Fliesen' war das Westgeld gemeint, in Anlehnung an den damaligen 100-er Schein und weil ebenso rar. Der Bohnenkaffee- Ersatz war 'Erichs Krönung', den richtig ' guten' Kaffee brachten uns nur die 'Bundis' mit. Und war der Broiler mal ein paar Tage überfällig, kam der Begriff 'Gummiadler' zum Einsatz. Das Aushängeschild unserer Kultur war der Palast der Republik in Berlin, den nannte man wie ihr sicher wisst `Erichs Lampenladen`, weil da brannten sie in Unmengen, die die man nicht kaufen konnte.

Was mir heute so unter kochbegeisterten aller Himmelsrichtungen zum Verhängnis wird, ist allerdings mein viele Jahre gelebter Sprachschatz hinsichtlich der Bezeichnungen zu Essen, Trinken und Zubereitungsarten. Davon mal ganz abgesehen, dass wir eben 'Würzfleisch' hatten statt Ragout Fin, 'Kochklopse' statt Königsberger Klopse, die 'Ketwurst'  den Hot Dog vertrat,  der Hamburger als 'Griletta' daher kam und einen Bismarckhering gab es natürlich nicht, der würde als 'Delihering' getarnt. Gut, alles Begriffe, bei denen schnelles Umdenken möglich war.

Kochen hatte  zwar einen hohen Stellenwert , aber feine Küche hatten wir unserer Meinung nach nur, wenn mal alles schön aufgeräumt war.  Da hieß es in den letzten Jahren eine ganze Menge lernen.

Das Schild "Sahnebestellungen zum Fest werden heute angenommen", hatte ich für ein paar Jahre noch in meinem Fundus, jetzt ist es einem Umzug zum Opfer gefallen. Es stammte aus der Kaufhalle (auch so ein Begriff !) und sicherte ein Fläschchen süße Sahne zu Weihnachten oder Ostern....wenn man rechtzeitig vor Ort war. Wenn ich heute ab und an verschwenderisch damit umgehe, denke ich daran.

Lang lang ist's her und ich wollte hier  das Thema DDR Vergangenheit nicht verniedlichen, aber auch zu diesem Anlass nicht vertiefen. Kommen wir also zur heutigen 'Verzehrempfehlung' . Ein Wort, welches aber glaube ich, nicht allein dem östlichen Sprachgebrauch entstammt.




Das Brathuhn namens Broiler war also zubereitet, im Ofen, schön knusprig und saftig innen, herzhaft gewürzt. Der Hitze geschuldet wurde nur die Hälfte davon verspeist.  Aber da war ich nicht böse, denn der Geflügelsalat so zubereitet, wird immer gern genommen. 

So etwas manierlich auf ein Foto zu bringen, ist ziemlich schwer. Sieht alles ordentlich geschichtet aus, kann er nur trocken sein, ist er schön saftig und wohlschmeckend , ist das Foto grenzwertig. Aber trotzdem, oder gerade deshalb, Guten Appetit :)



Geflügelsalat
(2 Personen)

1/2 fertig gebratenes Huhn
2 Scheiben frische Ananas 
10 kleine braune Chamipgnons
Chili Soße süß-scharf aus dem Asiashop
Knoblauch
1 kleine Zwiebel
2 cm Ingwer
Koriandergrün / Petersilie
Salz, Pfeffer

Huhn zerteilen und mit dem knusprigen Teil der Haut in mundgerechte Stücke schneiden. Ananas in Würfel, Champignons putzen und in dünne Scheiben schneiden. Alle Gewürzzutaten sehr klein schneiden und untermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken (das Huhn war ja schon gewürzt ! )und je nach Lust und Laune bzw. Schärfegrad,  die Asia Soße zugeben. Koriandergrün und Petersilie zupfen. Das gute Koriandergrün auf meinen Teller legen und die Petersilie auf den von Herrn pe. - der ist nämlich Koriander-Hasser. Aber das toleriere ich ;)




Kommentare

  1. Ich frage mich immer öfter, warum so viele Blogger extrem viel Wert auf die Fotos ihrer Kreationen legen. Das Rezept und die Zubereitung des Gleichen sollte im Vordergrund stehen. Was nutzen mir die schönsten Fotos, wenn das Gericht schlecht zubereitet wurde.
    Und bitte nicht den Satz: "Das Auge isst mit". Meine Augen können nicht essen, eure etwa? Der Salat sieht für mich sehr lecker aus, und mein Gaumen interessiert sich eh nicht für Fotos ;-)
    LG
    Paul

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    1. lieber Paul,
      mein Auge kann auch nicht essen, aber es erfreut isch an schönen Bildern. Da lässt mir manchmal ein gutes Bild, das Wasser im Munde zusammenlaufen.
      Andererseits hast Du natürlich Recht, dass es auf das Rezept ankommt. Und Bilder unterliegen auch der Mode. Schau mal in Kochbücher der 50er Jahre. Ich habe so etwas noch vom "Bertelsmann Lesering" Die Bilder sind zum Kringeln. Was sagen die Leut in 50 Jahren von unseren Bildern?

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  2. Da hast du ja "im Prinzip" recht, Paul, aber mit einem schönen Foto lockt man ja zum hinsehen. Und das ist bei der Fülle an Informationen übers Kochen ja schon nötig. Betrachte es also als eyecatcher ;)

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  3. Das ist ein ganz schöner Beitrag. Das meiste davon kannte ich noch nicht. Wir hatten "drüben" keine Verwandten und über den Begriff Broiler bin ich lange gestolpert. Und zu guter letzt, das sieht sehr, sehr lecker aus.

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  4. Bin gerade über den breuler aufgeklært worden,dabei handelt es sich ursprünglich wol um eine polnische hünerrasse (wigt 5 kg und kan kaum laufen:-)
    Angehend lustige wortschøpfungen,den"stehbretsegler"nicht vergessen

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  5. Liebe Pe, da ich Deine Küche persönlich kenne, kann ich mir vorstellen wie delikat Dein Salat geschmeckt hat :-)

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