Samstag, 18. Januar 2014

Brotsuppe

Alle backen Brot. Wo man hinschaut werden die schönsten, knusprigsten Laibe in jeder Pose fotografiert. Mit Hefe und mit Sauerteig, mit Körnern und ohne, bemehlt und glänzend.
An einfache Hefebrote habe ich mich ja schon herangetraut und das wunderbare no knead bread, da bin ich Meister drin. Aber ich will auch rustikale Sauerteigbrote backen. Da hab ich Ehrgeiz.

Also schau ich mich mal um und sehe, alle backen nicht nur einfach Brot, sie backen es in einem Topf. So wie besagtes no knead bread auch. Da bin ich bisher immer topftechnisch an Grenzen gestoßen und beschließe also die Hardware aufzurüsten. Ich schaffe mir einen Dutch Oven an. Ein schwerer gusseiserner Topf mit einem noch schwereren Deckel. Den hab ich bei einigen gesehen und der gefällt mir.

Als ich den dann zu Hause habe, denke ich, besorge ich mir also nur noch Sauerteig und dann geht`s los. Ja, ich weiß, ich neige halt manchmal zu Selbstüberschätzung. Bei den anderen sieht es immer so leicht aus und da denke ich, das geht auch so locker.

Ich habe also mein Brot mit gekauftem (!) Sauerteig angesetzt und wie auf dem Tütchen stehend verarbeitet. Ich bitte schon mal alle Heimbäcker um Freispruch für den gekauften Sauerteig und es kam so wie es kommen musste. Das Brot bäckt, ich bin gespannt. Das Brot ist fertig und ich öffne den Deckel des Topfes mit Herzklopfen, die sofort fast zu einer Ohnmacht führen. Nach einer Zeit des kritischen betrachtens, geht das über in einen Lachanfall. Das was ich dem Topf entnehme hat optisch so viel mit einem knusprigen, aufgerissenen Bauernbrot zu tun, wie die Schöne mit dem Biest.

Geheilt. So geht es also in keinem Fall. Zuerst einmal bewaffne ich mich mit Literatur und lese von Sauerteig, den man selbst züchtet, von Vorteig und all den Dingen, die mir bisher so unbekannt waren. Ein Gedankenaustausch mit Meisterinnen der Backkunst führte mich dann zur Erkenntnis, ich werde mir mal praktische Hilfe holen und mit jemandem backen, der das wirklich versteht. Der Plan steht und ich verrate noch nicht mit wem, lasst euch überraschen. Mal sehen, wann wir es in Tat umsetzen können.

Das Foto von dem Elend, welches ich im Topf vorgefunden habe, ist vor lauter Schreck nicht entstanden. Es war eine mittelbraune glatte Kugel, die man auf den ersten Blick gar nicht als Brot erkannt hätte. Was ich da wohl alles falsch gemacht habe...............
Mutig wie ich bin, habe ich es nach dem auskühlen gekostet. Selbstversuch. Zu wenig Salz, trocken, unschön beim kauen klebrig. Puh!

Ich schreib euch das mal, damit ihr bei einem eventuell geplanten Versuch alles besser macht als ich und außerdem, ist ja aus dem Brot (oder zumindest Teilen davon) doch noch was geworden. Lebensmittel werfe ich nur in Notfällen weg, wenn sie total verdorben sind. Ich hab den größten Teil den Hühnern gespendet und einen Rest gewürfelt für eine Brotsuppe.


Dazu habe ich einschlägige Literatur gewälzt und bin erst mal bei Herrn Geheimrat Goethe gelandet, nicht so unwahrscheinlich in meiner Heimatstadt. Recht einfache Geschichte. Brot, Wasser,Salz, kochen..... Bei aller Liebe zu den Klassikern habe ich mir das nicht so vorgestellt und deshalb gehe ich ein bisschen anders ran.

Eine kleine Zwiebel, eine kleine Knoblauchzehe sehr fein würfeln. Einen  Esslöffel Butter auslassen und die Zwiebeln und Knoblauch glasig werden lassen. Dazu 200 gr. Brotwürfel geben und kurz anziehen lassen. Aufgegossen habe ich mit 500 ml Gemüsebrühe und 500 ml Bier (könnte man sicher auch gut Schwarzbier nehmen, ich hatte nur Pils da). Schäumt ein bisschen, aber kein Problem. Langsam köcheln lassen bis das Brot weich ist. Ich glaube so 30 Minuten müssten es gewesen sein.


Die Masse fein pürieren und die Konsistenz mit Gemüsebrühe anpassen. Diese war etwas zu dick, also ein wenig Brühe dazu. Von einer halbe Zitrone die abgeriebene Schale, Salz, Pfeffer, eine Prise Zucker zum abschmecken, etwas Muskatnuss....... irgendwie war ich noch nicht zufrieden, es fehlte der Kick. Mit Piment und ein paar Spritzer Zitronensaft und einem Löffelchen Butter, das verrührt wurde, war es dann rund. 
Ein paar Miniwürfel Brot habe ich schön kross gebraten, mit ein bisschen Knoblauch und dann mit Petersilie. Das kam als Topping aus die Suppe.


Bei unseren Altvorderen war Brotsuppe etwas, was oft auf dem Tisch stand. Für uns nicht mehr so geläufig. Aber in diesem Fall eine gute Verwendung für das Missglückte. Ihr backt ja garantiert besser als ich, aber für Reste vom Brot ist das auch eine gute Verwertung.


1 Kommentar:

  1. Danke für das Rezept. Als echter Goethe-Fan ist das ja jetzt ein MUSS :-)
    Witzig ist, dass ich gerade heute die Zutaten für verschiedene Brotbackversuche gekauft habe. Jetzt geh ich gleich mal googlen, was Du mit "Brot im Topf" meinst. Und wenn alles schief geht, hab ich ja jetzt das abgewandelte Goethe`sche Brotsuppenrezept!
    Liebe Grüße aus Hanau
    Jutta

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