Care Paket 2.0


Ein Care Paket ist ein Nahrungsmittelpaket für Bedürftige. Auch wenn wir die Zeit nach dem Krieg nicht unmittelbar erlebt haben, kennen wir das aus Erzählung unserer Eltern und Großeltern.

Etwas später, zu meiner Jugendzeit, hieß es nicht mehr Care Paket, sondern Westpaket. Darin enthalten waren nicht mehr nur Nahrungsmittel, sondern Lebensmittel, oder was wir damals für wichtig und unverzichtbar hielten, also über die Nahrung hinaus gehendes. Als Teenager in der DDR hatte man so seine Sehnsüchte und Dank der verständnisvollen Verwandtschaft, wurden sie das eine oder andere mal erfüllt. Wer kennt sie noch, die "Nato-Plane" genannte regendichte Verhüllung aus dunkelblauem Nylon, Trenchcoate-ähnlich geschnitten und  den gelben Friesennerz. Da gab es Gelüste nach dünnen Strumpfhosen, wunderbaren elastischen Pullis, kniehohen Lackstiefeln, Midi- und Maxiröcken, Angora Pullovern und so vielem mehr. Sicher könnte ihr die Liste noch individuell ergänzen. Nur so konnte man in der Klicke bestehen und hatte ein gewisses Mitspracherecht. Die immer nach der neuesten westlichen Mode gekleideten, waren eindeutig in der Hierarchie schneller oben, als die armen Mädels ohne Gönner im anderen Postleitzahlengebiet. Ja, soweit zur oberflächigen Welt eines 17 jährigen Teenagers.

Aber auch Nahrungsmittel waren Beigabe in den sehnsüchtig erwarteten Paketen, die alle einen so völlig anderen Geruch verströmten. So von der Mischung aus Lux Seife und "gutem Bohnenkaffee", wie ihn meine Oma nannte. Da gab es Schokolade, die nicht zwischen den Zähnen knirschelte, Peppermint Kaugummi und Istand Puddingpulver - eine der glorreichsten Erfindungen der damaligen Zeit. Und die Mutti reflektierte auf Badeschaum fernab vom Fichtennnadel, Zigaretten, Kaffee, Kakao, Backzutaten und Lockenwickler ohne Gummi. Der Papa freute sich über jedes noch so kleine Werkzeug aus dem westlichen Baumarkt oder auch nur einen Werbe-Zollstock.

Ja, unsere lieben Verwandten haben sich Mühe mit uns gegeben. Wir glaubten damals an Pakete von unendlichem Wert und egal wieviel es wirklich gekostet hat, den hatten sie eben auch für uns. Alles Dinge ohne die wir leben konnten, deren Besitz uns aber kostbar vorkam. Wie schnell ändern sich die Zeiten.

Heute haben wir fast alles und können fast alles kaufen.  Aber wie ist er, der Mensch. Er (sie) strebt nach mehr, nach Unerreichbarem. 
Dank also an Marion. Sie kenne ich vom virtuellen kochen beim Käpt`ns Dinner und auch schon aus dem richtigen Leben. Eine rheinische Frohnatur, mit Herz am rechten Fleck. Und eben das hatte sie kürzlich auch für mich. Bei sengender Hitze zur Markt, den Einkauf ins Postpaket verpackt, versendet und am nächsten Tag war ich glückliche Besitzerin von ganzen 5 kg dicken Bohnen, auch Saubohnen genannt. Wenn mir das jemand vor 25 Jahren in einem Westpaket geschickt hätte, hätte ich ganz schön dumm geguckt ;)

Besagte Bohnen also, bei uns nicht aufzutreiben. Fast täglich sah ich Fotos von wunderbar gekochten Gerichten mit dieser Zutat. Und es ist eine Delikatesse, eine einfache und auch preiswerte (wenn man sie nicht gerade durch die Gegend schicken muss).
Im nächsten Jahr, werden ein paar Stangen in meinem Garten stehen und vielleicht, Marion, kann ich dir dann ein paar schicken, wenn es bei dir keine gibt.

Dem Genuss geht ein bisschen Vorarbeit voraus, die man aber gern leistet.
Bohnen also öffnen, auspulen und im kochenden Wasser ca. 2 Minuten aufkochen lassen. Sofort im Eiswasser, oder unter fliesendem kalten Wasser, abschrecken - abgießen und dann die einzelnen Bohnen aus den dicken Häutchen befreien.

Ein paar kleine Portiönchen kamen in den TK. Zweimal werde ich jetzt davon kochen und das erste war ein Brotsalat, den wir sehr gern essen. Dieser wurde also gepimpt mit den Bohnen, die auf der Zunge zergehen.



Weißbrot in etwa 2 x 2cm große Würfel schneiden und in Butter goldbraun braten, beiseite stellen. Tomaten vierteln, 1 mittlere Zwiebel in sehr dünne Scheiben schneiden, Die Bohnen in einer Pfanne mit reichlich Knoblauch und etwas knusprig gebratenem Pancetta schwenken und unter die Tomaten geben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Erst kurz vor dem servieren die Brotwürfel unterrühren. Auf dem Teller jeweils etwas vom grünen, würzigen Olivenöl darüber geben und  Pfeffer aus der Mühle. Wieder mal so eine sehr einfache, aber extrem gute Sache.

.....und ein bisschen später wird das jetzt ein Beitrag zu Uwes Sommer- Blogevent

Kommentare

  1. Sehr eindrucksvoll deine Beschreibung von der anderen Seite betrachtet. Glücklicherweise Schnee von gestern, sonst hätten wir uns nie kennengelernt.

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    1. es ist ja nur die beschreibung von oberflächlichkeiten, aber mit dem resümee hast du sowas von recht :)

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  2. Danke für diese wunderschöne Beschreibung.
    Ich finde es immer so schön, deine Beiträge zu lesen. Sie handeln nicht "nur" von dem Gericht oder Produkt, sondern sind immer gespickt mit interessanten oder witzigen Anekdoten!

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    1. ...danke Cora - das schreiben macht den gleichen spaß wie das lesen ;)

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