#bloggersindbunt: Über Heimat im Kochtopf und eine Begegnung nach 4 Jahren

Am 28.Januar 2016 hatte sie Premiere, die Kochgruppe Heimat im Kochtopf. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle war es mir endlich gelungen, in den Räumen des Mehrgenerationenhauses in Weimar-West einen Ort und ein offenes Ohr für mein Vorhaben zu finden. Über ein Jahr lang haben Deutsche, Syrer, Russen, Iraner und viele andere Nationen, Weimarer und Geflüchtete, oder solche die schon eine Weile in Weimar eine Heimat gefunden haben, sich gemeinsam in die Kochtöpfe geschaut. Eine schöne, arbeitsreiche und aufregende Zeit. Und es war nicht immer einfach, musste man doch viel voneinander lernen und das vor allem nicht nur, wenn es ums Kochen ging.


Die offene Gruppe war anfangs ein beliebter Treffpunkt, Ort zum Austausch und zum guten Essen, welches sogar kostenlos war, da es vom Träger des Mehrgenerationenhauses gesponsert wurde. So wie ich es mir erhofft hatte fanden viele wenigstens auf Zeit ein Stück Heimat wieder, wenn es um das traditionelle Kochen ging. Und wir Alle haben uns gern den neuen Eindrücken und Geschmäckern hingegeben. Beim Kochen verloren viele ihre Scheu, begannen zu erzählen, und so manches Schicksal ging uns sehr nah. Viele brachten ihre Kinder mit, die auch immer extra beschäftigt wurden.

Nach und nach kamen immer weniger Geflüchtete zu unseren Treffen und dafür gab es ganz einfache Gründe. Zum einen konnten viele eine eigene Wohnung finden, konnten Ausbildungen beginnen, haben Deutsch gebüffelt und wurden in Schulen und im Arbeitsleben integriert. Und an vielen dieser Orte fand man, dass gemeinsames Kochen verbindet und somit war es nicht mehr nur bei uns möglich und wichtig geworden. Nach einiger Zeit haben wir die Gruppe dann geschlossen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Zeit war intensiv, aber auch aufregend.

Heute nach vier Jahren, erinnere ich mich an viele aus der Gruppe, mit denen ich engeren Kontakt hatte. Einige sehe sehe ich noch in Weimar und Manchem huscht ein Lächeln übers Gesicht und sie grüßen mich, weil sie an unsere Zeit am Kochtopf denken. Von Einigen weiß ich, dass sie Weimar verlassen haben und in Deutschland umgezogen sind, dahin wo andere aus der Familie wohnen. Von zwei jungen Männern habe ich erfahren, dass sie zurück in ihre Heimat sind.

Familie J. lebt noch hier. Sie haben eine eigene Wohnung, der Vater und die zwei älteren Söhne haben Arbeit bei der Post und bei einem Dienstleister. Die Mutter kümmert sich um die Familie, die jüngeren Kinder gehen zur Schule, sind gute Schüler und machen Dummheiten  wie alle in dem Alter. Sie sind glücklich und kommen langsam an in einem neuen Leben, trotz großer Sehnsucht nach ihrer Heimat. Und die große Tochter erzählt mir, dass sie oft so viel Trauriges von der Familie aus Aleppo hören. Die Eltern wollen wieder heim, wenn der Krieg vorbei ist, keine Verfolgung mehr droht. Die größeren Kinder wollen bleiben, studieren und dann vielleicht später in Syrien arbeiten. Sie träumen davon ihr Leben zu gestalten, ohne  Angst und Krieg und ihre Eltern haben den ersten Schritt dazu für sie getan.

Und sie hören auch genau hin, wenn in Deutschland mit wenig Empathie gegen die Menschen gehetzt wird, die vor Krieg und Verfolgung Schutz in Deutschland suchen. Und da sollten auch wir hinhören und das nicht hinnehmen, dass die AFD einen militärischen Schutz der europäischen Außengrenzen fordert, Flüchtlingsbote im Mittelmeer versenken will, Nächstenliebe nur auf Deutsche begrenzt und davon träumt, nach „Machtübernahme mal richtig auszumisten“. Mir wird da schlecht und die Wut kocht hoch! 
Fangen wir einfach im Kleinen an, im engsten Umfeld, sagen unsere Meinung und zeigen Empathie und leben sie auch. 



Zur #bloggersindbunt Initiative Thüringer Blogger*Innen sind bisher erschienen:

Bunt wie Nudeln mit Feuerwehrsoße von „How to gourmet“


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