Ein kleines bisschen autark: Das Projekt "Stadthuhn"

"Das Huhn" kehrt zurück in unseren Garten. Noch Anfang der 60er Jahre hat meine Großmutter hier im Garten des Hauses, in dem wir jetzt seit 3 Jahren wieder wohnen, Hühner gehalten. Sie dienten der Versorgung mit Eiern und ab und an wurde auch eines verspeist. Ich kann mich daran erinnern, dass ich als kleines Kind die Hühner mit gefüttert habe. Die einzige die psychisch in der Lage war sie zu schlachten, war auch die Oma und ich sehe sie mit dem Beil den Hof überqueren. Mit solchen  Erinnerungen habe ich überhaupt keine Probleme, denn wer Fleischesser ist, muss auch verkraften können zu wissen, wie die Tiere zu Tode kommen. 


Beginn der Hühnerhaltung war die Zeit des Krieges. Da gesellten sich zu ihnen auch noch Kaninchen und meine Oma hat oft  erzählt, dass die Haltung der Tiere so gut es ging geheim gehalten wurde, denn es gab genügend Menschen die auf der Suche nach Nahrung waren. Auch die Beete im Garten dienten dem anpflanzen von Gemüse und es gab eine Menge Obstbäume. Einkochen und verarbeiten der Früchte diente der Ernährung der Familie. In späteren Jahren feierte man die bessere Versorgung und alles wurde  abgeschafft. Der Garten wurde ein Ziergarten und der Hühnerstall später eine Voliere für Kanarienvögel. Selbstversorgung hatte man nicht mehr nötig, die Mühe konnte man sich sparen.

Wir haben bis vor drei Jahren auf dem Land gewohnt und wie selbstverständlich auch Hühner gehalten. Ausschließlich zur Versorgung mit Eiern. Unser Umzug in die Stadt hat eine Menge positives gebracht und das Einzige, was wir so richtig vermisst haben, waren die schönen frischen Eier. Das Ei, für mich eines der sensibelsten Lebensmittel, habe ich ungern gekauft. Auch nicht Bio, dass hat uns nicht wirklich beruhigt. Bei der industriellen Eierproduktion kann der Einsatz von Masthilfsmitteln und Futtermittelzusatzstoffen sowie der Einsatz von Tierarzneimittel zu Belastungen führen, wodurch Eier unerwünschte Stoffe enthalten. 


Hühnerhaltung in der Stadt ? Warum nicht.....




Und so wuchs in uns der Gedanke, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen und in unserem Garten Hühner zu halten. Nach zwei Jahren des gereiften Entschlusses, haben wir das "Projekt Stadthuhn" dieses Jahr im Urlaub in die Tat umgesetzt.
Das wir nicht allein solche Gedanken haben, hat sich schnell gezeigt. Bei allen Produkten, vom mobilen Hühnerhaus und Auslauf, bis zu diversem Equipment, war die Nachfrage via Internet sehr groß und zeigte sich in hohen Verkaufszahlen innerhalb eines Tages. Aber wir hatten ohnehin schnell einen anderen Plan, nämlich das anpassen des Geheges an das vorhandene Gelände und Verwendung teilweise artfremder Materialien. Wer Fragen dazu hat, gern helfen wir weiter, wenn wir die Lust bei euch geweckt haben.


Warum auch nicht ? Auf dem Land wird zubetoniert, in der Stadt immer mehr Grün gehegt und gepflegt. Stadt und Land gleichen sich an, in mancherlei Hinsicht. Und wo steht eigentlich geschrieben, dass man Hühner nur auf dem Land halten kann. Natürlich ist eine solches Vorhaben nur realisierbar, wenn man einen eigenen Garten hat der groß genug ist und nicht in einer Gartenanlage, da könnten die Nachbarn etwas gegen das gackern haben.  



Zwei nicht so schöne "Eckchen" unseres Gartens wurden also in den 3wöchigen Umbau einbezogen und vergangenen Samstag haben sie Einzug gehalten. Drei Hühner verschiedener Rassen, mit unterschiedlicher Ei-Farbe. Dunkelbraun (Maran), hellbraun (Sperber), grün (Grünleger) und in ein paar Wochen folgt noch ein viertes Huhn, welches weiße Eier legen wird.

Wilma war von Anfang an begeistert und hat sofort die Bewachung übernommen. Als Herdenschutzhund sah sie eine neue Aufgabe darin. Wenn die zwei erwachsenen Hühner das kleine Junghuhn ein bisschen mobben, geht sie auch mal an den Stall und lässt einen Beller los, dann ist sofort Ruhe ;) Boris, der Kater, hat einmal am Stall geschnüffelt und geht jetzt uninteressiert vorbei. Maxi, die Katze, war etwas angespannter und hat heute noch Beutegedanken. Alle drei kannten ja noch die Schar Hühner aus dem letzten Zuhause, aber ich weiß nicht, ob sich Tiere soweit erinnern.



Wenn wir das, was wir investiert haben umrechnen, auf die Menge der zu erwartenden Eier, sind sie sehr kostbar. Aber hier geht es nicht um Materielles, sondern um ein gutes Gewissen beim Verzehr des Frühstückseies. Und meine Großmutter würde sich mächtig freuen und wäre stolz darauf, dass sie dafür mal sozusagen den Grundstein gelegt hat.




Warum sollten wir Eier essen ? 

Natürlich mit Maßen, nicht in Massen....


Neben 74 Prozent Wasser enthält das Hühnerei unter anderem 13 Prozent Eiweiß, 11 Prozent Fett, sowie je ein Prozent Kohlenhydrate und Mineralstoffe (Kalzium, Selen, Eisen). Darüber hinaus finden sich im Ei essentielle Aminosäuren, Vitamine (A, B2, B12, D, K und Folsäure). Im Übrigen ist der überwiegende Anteil der Proteine (Eiweiß) nicht im „Eiweiß" (Eiklar) sondern im Eidotter enthalten. Ein Ei von 60 Gramm besitzt einen Energiewert von circa 96 kcal.  

Das Ei liefert 12% der täglich empfohlenen Eisenmenge. Es ist an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt und sorgt auf diese Weise für einen funktionierenden Sauerstofftransport von der Lunge in verschiedene Organe und Gewebe bis hin zum Gehirn.  Das Ei gilt als Hauptlieferant für Selen. Ein Ei trägt 10-20 Prozent zum empfohlenen Menge bei. Selen ist ein Radikalfänger und besitzt eine wichtige Funktion beim Zellschutz. Vitamin D ermöglicht den Einbau und die Speicherung von Kalzium in den Knochen. Ein Ei der Klasse Large kann circa 35 Prozent der täglich wünschenswerten Vitamin D-Menge abdecken.  Folsäure dient der Blutbildung und Zellteilung. Das Eiweiß ist für den Aufbau der Muskelmasse von Bedeutung. - 


Neben den erwähnten Mikronährstoffen macht die hohe Eiweißqualität das Hühnerei so wertvoll. Es besitzt die höchste biologische Wertigkeit, die ein Einzellebensmittel haben kann. Sprich aus 100 Gramm Hühnereiweiß kann der Mensch 100 Gramm körpereigenes Eiweiß herstellen.






Kommentare

  1. Habe mit Begeisterung Deinen Bericht gelesen, denn wir bauen uns auch gerade einen Hühnerstall aus, so langsam steigt die Aufregung. Eure Hühner sind wunderschön, und ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr jedes Ei mit Genuss esst.
    Liebe Grüße Sigrid

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Sigrid, ich freue mich sehr über deinen Kommentar. Du kannst das was ich geschrieben habe sicher gut nachempfinden. Auch für euch viel Freude mit der Hühnerschar und jeden Tag (mindestens) ein frisches Ei im Korb. Herzliche Grüße, Petra

    AntwortenLöschen
  3. Ich erinnere mich noch gut an das DFssgF Paket von dir mit den Eiern deiner Grünleger .... Ich würde ja auch gerne welche im Garten halten, aber mit der Meinung bin ich leider alleine. Tolles Projekt!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist wirklich Schade. Deine Mitbewohner wissen gar nicht, was ihnen Gutes entgeht ;) Übrigens: Hier sind die Eier auch teilweise grün :D

      Löschen

Kommentar veröffentlichen