Von Nonnenfürzchen und Rosenmontagszügen

So ziemlich der einzige Fastnachtsbrauch, der sich in unserem Haus gehalten hat, ist das backen von Schmalzgebäck am Rosenmontag. Akteur damals die Oma und die ganze Familie trabte an, um sich damit versorgen und verwöhnen zu lassen. Wir Kinder liebten die kleinen, möglichst noch lauwarm im Puderzucker gewälzten, goldgelben kleinen Krapfen. Zur Belohnung für die Oma durften wir mit ihr dann gemeinsam die Rosenmontagszüge anschauen und zwar alle,  von Anfang bis Ende. Mit ziemlich unbewegter Mine, da uns von vielen der Darbietungen der Sinn nicht erschloss, saßen wir tapfer bis zum Nachmittag und hielten durch.

Nonnenfürzchen, Fastnachtsgebäck

Ein paar Jahre später hatte das Blatt sich gewendet. Die der Oma zugehörigen Enkelkinder waren in alle Winde zerstreut, nur ich wohnte noch im Haus. Mir fiel also die Aufgabe zu, die Familientradition in Sachen Fastnacht hoch zu halten. Es gab seitens der Oma gar keine Diskussionen und sie brachte auch die kleinen Schmalz-Teilchen nie ins Gespräch, da es ja selbstverständlich war. Damit sie nicht allein auf dem Sofia sitzen musste, kam die Nachbarin, ebenso alt und beide hielten ein Schwätzchen bei lautstarker Untermalung durch das Humba Humba Tätärä.... 

Das Rezept für das gute Gebäck unterschied sich unserer Familie durch die Zugabe von Quark im Teig und so mache ich sie noch heute. Das essen von hochkalorischen Speisen gehört ja in die Fastnachtszeit, da ihr die lange Fastenzeit folgt.  Nahrhaft sind sie und so ein bisschen beschleicht mich auch immer das schlechte Gewissen. Aber ich mag nicht darauf verzichten, da man ja Traditionen pflegen soll. Und darin erschöpft sich ja auch schon mein närrisches Engagement. 

Es gibt drei Varianten bei uns. Ein Drittel bleibt neutral, die anderen beiden werden zum einen mit gehackten Haselnüssen bzw. Apfel verfeinert. Vielleicht sollte man danach wirklich mal, ein paar Tage wenigstens, fasten.

Schmalzgebäck

Der Name Fürzchen hat übrigens nichts mit Flatulenzen zu tun. Er geht auf das mittelniederdeutsche Wort "nunnekenfurt" zurück, was so viel heißt wie: Von den Nonnen am besten zubereitet.

Zutaten
für ca. 30 Stck

125 g Quark
Eier
30 g Zucker 
1 EL Vanillezucker
1/2 Pkt Backpulver
125 g Mehl
250 g Butterschmalz 
Haselnusskerne gehackt
1 kleiner Apfel
Puderzucker zum wälzen

Alle Zutaten zu einem glatten, zähen Teig verarbeiten. Den Butterschmalz erhitzen. Den Teig in drei Teile aufteilen. Die erste Menge mit dem Kaffeelöffel kleine Teilchen abstechen und im Schmalz goldbraun backen. Ist die Unterseite braun, die Teilchen wenden. Sind sie fertig mit einem Schöpflöffel entnehmen und auf einem Küchenkrepp entfetten. Den Puderzucker auf einen Teller geben und die kleinen Teilchen darin rollen.

Die zweite Menge mit den grob gehackten Haselnusskernen vermengen und wir oben geschildert verfahren.

Den Apfel schälen, Kerne ausschneiden und grob raspeln. Die Apfelspäne unterheben und auch wie s.o. ausbacken. Wichtiger Hinweis: Den Apfel erst ganz kurz vor dem ausbacken unter den fei mengen, da dieser sonst zu flüssig wird. Also untermischen und sofort backen.

Schmalzgebäck mit Nüssen


 


Kommentare

  1. Die kommen mir echt bekannt vor. Gab es bei uns auch.Tolles Rezept.

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    1. Das ist halt typisch Thüringer Art ;) Die Nüsse allerdings mache ich jetzt erst so und die Apfel Variante war etwas anders, da wurden Ringe gemacht und ausgebacken, mit einem etwas flüssigerem Teig.

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  2. Da hast mu gleich erinnert an ein Gerecht das bei uns gemacht wuerde. Kam Weinachten , ein Salat das Mimosa heisst. Alle weibliche Mitglieder waren in der Kueche und jede hate eigenes Rezept. Da hat es manchmal feurige Discussion was da rein soll. Ein Traenchen hier und da hat auch nicht gefehlt. Meine Grossmutter und der Manliche Teil der Famile hat nur gelaechelt, weil damals gemacht wird in der KUeche wie Oma es sagte. Warum Ich mich noch daran erinere ist dass wir diese Verdammte Salat bis Neu Jahr gegesen haben, und dann fing der Spass von vorne mit Russischen Salad. Nein danke , da haette Ich liber diese Lekkere suesse Perlen gehabt!!

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  3. Hahaha, Dubravka, eine sehr schöne Erinnerung. Und die habe ich an manche Rezepte in der Küche auch. Die Oma hatte das sagen. Später, als sie es nicht mehr wusste, habe ich ihr erzählt wie sie es gemacht hat und so machen wir es auch heute noch.

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