Samstag, 18. April 2015

"Anastasia" im Grand Hotel Russischer Hof, Weimar

Nur durch Zufall kam unser Besuch bei Andreas Scholz im Restaurant "Anastasia"  zusammen mit dessen Auftritt in der Sendung "Mein Lokal, dein Lokal", auf Kabel 1. Da dieser Sender nicht zu den von mir bevorzugten zählt, war es nur der massiven Werbung zu verdanken, dass ich davon erfahren habe. Da hatten wir aber unseren Tisch schon reserviert und freuten uns auf einen genussvollen Abend beim Ehepaar Scholz.

Über die gediegene Atmosphäre im Hotel brauche ich kein Wort zu verlieren. Ein Grand Hotel eben. Freundliches Personal. Alles sehr ruhig und alles sehr golden, ich hätte bald geschrieben goldig.
Im Restaurant bekamen wir den gewünschten Tisch am Fenster und sofort jede Aufmerksamkeit, die man sich als Gast wünscht. Das Personal geschult, freundlich, aber nicht aufdringlich.

Von Andreas Scholz hatte ich ja schon eine Probe zum Gourmetpreis 2015 genießen dürfen und wir waren sehr gespannt auf einen größeren Bogen seines Könnens. Der 1971 in Hessen geborene Scholz hat nach vielen Stationen, die er mit "vom Steakhaus bis zum Gourmetrestaurant alle Sparten der Gastronomie erlebt" beschreibt, seit 2003 mit Ehefrau Stefanie seine Heimat in Weimar gefunden. 

Wir haben uns für unterschiedliche Speisen entschieden, die aus den aktuell angebotenen Menüs "Saison Menü" und "Menü du Chef" ausgesucht waren. Die Weinauswahl dazu war regional, Weißwein und Rotwein aus der Region Saale Unstrut.

Die Brotauswahl war gekrönt von einer Rote Bete Butter und einem guten Olivenöl.



Der Gruß aus der Küche, ein hausgebeizter Lachs mit Gewürzgurken Espuma


Carpaccio vom Linumer Wiesenkalb, mit marinierten Spargel und wachsweichem Eigelb als Vorspeise. Das Fleisch war sehr schmackhaft und der marinierte Spargel harmonierte gut mir dem Ei. Einziger Kritikpunkt:  Ich hätte mir gewünscht, dass das Dressing extra gereicht wird und nicht das Fleisch komplett verdeckt.

Carpaccio vom Wiesenkalb - Anastasia Weimar

Ich habe mit dem Zwischengang aus dem Menü du Chef begonnen und zwar Gebratene Leber vom Vogelsberger Lamm mit Kartoffel – Blutwurstravioli und süß – sauren Zwiebeln. Da ich gern herzhaft esse, für mich genau richtig. Die Blutwurst hätte für mich etwas mehr betont sein können, sie hatte gegen die Leber keine Chance.

Leber vom Lamm mit Blutwurst Ravioli - Anastasia Weimar

Für mich als nächsten Gang aus dem Menü du Chef: Filet von der Dorade Royal auf Bärlauch – Nudelgraupen und weißem Tomatenschaum.  Davon war ich einfach nur begeistert. Ein so feines Aromenspiel, alles passt perfekt und der Bärlauch war genau richtig in der Menge.

Bärlauch-Nudelgraupen mit weißem Tomatenschaum und Doradenfilet - Anastasia Weimar

Aus dem Menü der Saison gab es jetzt Entrecôte vom Wiesenkalb, an gebratenem Spargel und Kartoffelcroustillions. Hinter Croustillons verbergen sich kleine in Brösel gebratene Klößchen. Das Fleisch war reichlich portioniert und sehr zart, Gemüse bissfest und die Soße sehr gut. Mein Tischnachbar war sehr zufrieden, ein deftiger Hauptgang nach seinem Geschmack.

Entrecoite vom Wiesenkalb, gebratener Spargel und Kartoffelcroustillions-Anastasia Weimar

Der Hauptgang im Menü du Chef war das Filet und Kinn vom Iberico Schwein an Kartoffel – Kapernragout und Paprikagemüse. Die Kombination Kartoffel-Kapern-Paprika war ein guter Kontrast zum zarten Filet, welches gut gegart, aber leider etwas trocken war. Dahingegen war das "Kinn" eine Offenbarung. Wunderbar geschmort und mit einer feinen Soße überzogen.

Filet und Kinn vom Iberico mit Kartoffel-Kapern-Gemüse - Anastasia Weimar

Der Höhepunkt des Abends das Dessert. Aus dem Menü du Chef gab es Creme Brûlée von der Tonkabohne mit Schokoladenparfait und Mangosalat. Die Creme Brûlée war sehr gut und mein eindeutiger Favorit auf dem Teller. Leider waren Mango und Schokoladenparfait von der Intensität her keine gleichwertigen Gegenspieler.

Creme Brûlée von Tonkabohne mit Schokoladenparfait und Mangosalat - Anastasia Weimar

Das zweite Dessert waren Leckereien von Erdbeer und Rhabarber (Parfait, Mousse, Sorbet, Eis, Ragout). Ein schöner Dessert-Teller , gerade richtig von der Süße und trotz Anfangs-Erdbeerzeit aromatisch.



Fazit des Abends: Im Anastasia isst man auf hohem Niveau, in gediegener Atmosphäre, zu durchaus verträglichen Preisen. Ein Besuch empfehle ich 100%-ig und wünsche allen einen ebenso genussreichen Abend, wie wir ihn hatten. 

Das Andreas Scholz das Duell der Thüringer Lokale gewonnen hat, steht natürlich außer Frage und ich möchte das der Vollständigkeit halber hier noch nachreichen.

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