Samstag, 24. Januar 2015

Heute gibt es Rumfort "in süß" : Punschberge

Gestern Abend, so im vorbeifahren, hatte ich Einblick in einige erleuchtete Fenster. Und zu meinen größten Erstaunen habe ich drei Häuser gesehen, in denen stand der Weihnachtsbaum in voller Beleuchtung, flankiert vom Herrnhuter Stern und Girlanden im Fenster.  Erstaunlich! Auf so etwas kommt man doch nicht....oder ist das noch im normalen, unbedenklichen Bereich ? Wir blicken schon Richtung Frühling und andere sitzen noch unterm Baum aller Bäume. Gründe dafür fallen mir jetzt persönlich nicht ein, bei mir wandert das Weihnachtsfest inklusive aller Fetische spätestens am 6. Januar in die Kartons.

Und heute habe ich die letzten weihnachtlichen Ess-Spuren beseitigt, bzw. haben wir sie genussvoll verspeist. Da stand, relativ unbeachtet, noch ein nicht ganz halber Stollen gut verpackt. Im trauten Beisammensein mit zwei geöffneten Packungen Pfefferkuchen. Die letzten Weihnachtsplätzchen sind schon weg. Ja, was nun damit anstellen, der Stollen schon etwas trocken und die Pfefferkuchen ebenso. Und da kam die Idee zu etwas, dass ich gefühlte 30 Jahre nicht mehr gemacht habe: Punschberge !

Punschberge mit Schoikolade


Die Existenz dieser Spezialität , so steht es in der einschlägigen Literatur, verdanken wir den Back-Kombinaten in der ehemaligen DDR. Nicht mehr verkaufbarer, übriger Kuchen vom Tag, wurde so verarbeitet und wieder verkaufbar gemacht. Ob das stimmt, kann ich nicht belegen, aber zu kaufen gab es die Punschberge in der DDR schon und sie waren ein großer Renner. Und die DDR Mentalität, nichts so schnell weg zu werfen, ist ja eine  Eigenschaft die nicht als negativ angesehen werden kann und in uns weiter leben sollte.

Für diese Nascherei gibt es weniger ein Rezept, als eine Anleitung. Denn je nach Verfügbarkeit kann man mit allen relativ trockenen Kuchenresten arbeiten und auch die Menge an Alkohol Flüssigkeit richtet sich nach der Beschaffenheit der Reste. 

Verwertung von Kuchenresten

Es wird empfohlen etwas fruchtiges dazu zu geben. Rosinen, Zitronat oder kandierte Kirschen. Ich habe mich auf letzteres beschränkt, denn die anderen Zutaten waren vom Stollen schon vorhanden. Auch ein paar Nüsse oder Mandeln kommen gut. Du nimmst also den Teig und schneidest ihn in sehr kleine Stücke oder zerkrümelst ihn. Nicht zu fein, damit am Ende noch etwas Struktur vorhanden ist. Die Zutaten schneidest du ebenfalls sehr klein. 

Jetzt gibts du Flüssigkeit dazu, bevorzugt Rum oder Weinbrand, bis die Masse schön klebrig und formbar ist. Immer Schluck für Schluck und zwischendurch ein bisschen stehen lassen, damit die Flüssigkeit aufgesaugt werden kann. Hast du eine schöne Masse, stichst du mit dem Esslöffel immer gleiche Mengen ab und formst sie zu Kegeln.

Rumfort in süß

Im Wasserbad Kuvertüre schmelzen lassen. Die kannst du nach deinem Geschmack wählen, auch Vollmilch oder weiße Schokolade. Mit der Schokolade überziehst du die kleinen Berge und lässt sie erkalten. Das ist eine ziemlich alkoholhaltige Nascherei zum Kaffee, aber wenn du hinterher nicht ins Auto steigst, auch mal erlaubt.

Wer keinen Alkohol mag, für den kann ich mir die Verfahrensweise mit  Kaffee auch ganz gut vorstellen. Und wenn die lieben Kleinen mitessen, würde ich einen Fruchtsaft empfehlen, der nicht zu sauer sein sollte, oder frisch ausgepresste Orange.

Kommentare:

  1. Ich weiß nicht, wo du die Bäume gesehen hast, aber ich hatte mal eine Kollegin aus Franken. Dort blieb der Baum bis Maria Lichmess stehen, und das ist am 2.Februar! Danach wurde der erste Zweigkranz mit der Spitze geschält und gereinigt, um der Hausfrau fürs nächste Jahr als Quirl zum Kloßteig schlagen zu dienen.
    Ist doch ein netter Brauch, oder?

    Nicht nur in der DDR wurde aus altbackenem Kuchen noch was gemacht. Früher sah man überall in Bäckereien sogenannte Granatsplitter, manchmal sieht man sie noch heute bei alten Familienbäckern. Die sehen genauso aus wie deine Punschberge. Bisquitreste, Tortenreste, auch Dauergebäck wurden/werden zerkleinert und mit Buttercreme zusammengepappt. Ich habe diese Dinger als Kind geliebt :)
    Deine Berge sind aber auch ganz schön mächtig und Autofahren sollte man danach besser auch nicht ;-) Aber lecker sind die ganz bestimmt!

    Liebe Grüße
    Ulrike

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  2. Danke für Deine ausführliche Antwort, Ulrike. Den Brauch mit der oberen Spitze als Quirl für den Kloßteig kenne ich auch, aus dem Thüringer Wald. Mir war aber nicht bewusst, dass die Bäume bis Lichtmess stehen. Das verarbeiten mit Buttercreme kannte ich nun nicht, aber sicher auch lecker ! Ich denke, regional gibt es eben immer Unterschiede. In dem Fall also die Wahl zwischen vielen Kalorien oder beschwipst ;)

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  3. Ja , ich kenne die Granatsplitter auch auch früheren Tagen ,in Hessen und der Pfalz.
    Also lecker waren sie sicher nur wegen des Alkohols.Oder der Alkohol sollte manchmal überdecken das die altbackenen Torten doch schon etwas gärig waren. :-)
    Gruß Schnippelboy

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