Samstag, 1. November 2014

Von der Schwierigkeit in Amerika zu kochen: Wir machen German Food

Nach Florida reise ich mit meiner besten Freundin und ihrem Mann. Er hat lange Zeit hier gelebt und den prägenden Teil seiner Jugend hier verbracht. An ihm wird mal wieder so richtig deutlich, wie Erinnerung an Jugend und Familie mit dem Essen verbunden ist. Kommen wir an, beginnt die Zeitreise für ihn, mit all den Nahrungsmitteln und Gerichten seiner Jugend. Da seine Eltern hier ein Deli hatten, sind das besonders viele Erinnerungen ans Essen und dessen Zubereitung. 

Einmal in unserem Urlaub findet ein großes Familientreffen statt. Man trifft sich hier in unserem Ferienhaus, mit alten eigenen und mit neuen Kindern der Nichten und Neffen oder Cousins. Meine Freundin und ich, wir kochen aus dem Anlass "typisch" Deutsches Essen. Oder sagen wir, wir versuchen es. Den Wünschen des Hausherren auf Zeit können wir nicht in jedem Fall nachkommen. Sein diesjähriger Traum war die Präsentation  von Rindsrouladen mit Thüringer Klößen. Das kommentiere ich nicht weiter. 

Wer schon mal bei 30 Grad im Schatten in einer ihm unbekannten Küche, mit unbekannten Gewürzen und Lebensmitteln gekocht hat weiß, dass so etwas nicht gelingen würde. Und ein Essen an das alle hohe Erwartungen haben auf den Tisch zu bringen, was nicht gut ist..... not the point. German Food muss es sei , da alle die sich hier versammeln deutsche Wurzeln haben und sei es auch in grauer Vorzeit. Und die Amerikaner lieben deutsches Essen sowieso. Für einige der Dinge die es hier gibt, kennt jeder auch nur die deutsche Bezeichnung. Bratwurst, Sauerbraten, Schnitzel, Sauerkraut kennt und isst jeder und der Gassenhauer von der "Schnitzel Bank" ist auch hier durchaus auf Partys anzutreffen und dient auch der Erweiterung des deutschen Wortschatzes.

Für typisch Deutsch wurde also an diesem Wochenende erklärt: Gulasch mit Nockerln, Frikadellen  ( Hackeklösschen, Klopse, Fleischflanzerl, Fleischlaiberl ) und Kartoffelsalat ( einmal mit Meerrettich und Radieschen, der andere mit Äpfel, Gewürzgurke und Ei) mit Bratwürsten, die geschmacklich weltumfassend waren. Es gab Italian Sausage und  polnische Kielbasa. Und eben deutsche Bratwurst, die ihr euch bitte nicht so vorstellt, wie unsere zu Hause. 

Gulasch mit Nocken

Die Schwierigkeiten beim kochen bestehen hier eigentlich aus zwei Dingen. Mit der  Einrichtung der Küche fängt es an. Mit den Gerätschaften die zur Verfügung stehen. Gut, wir sind es gewohnt in fremden Töpfen zu rühren und kommen schon irgendwie zurecht, auch wenn es nur ein Messer gibt, dass wirklich schneidet, die Töpfe irgendwie verbeult sind und keine richtige Haftung auf dem Herd haben. Und auch ohne den Lieblingstopf  kann ein Gericht gelingen.

Kartoffelsalat mit Hackeklößchen,Klopsen,Frikadellen

Die wirkliche Herausforderung aber sind die Zutaten. Fleisch, welches einfach anders schmeckt, Gewürze die irgendwie anders konzentriert sind. Mehl welches aussieht wie das unsrige, aber völlig anders reagiert, da ihm Gluten fehlt. Und hast du dann so alle Zutaten beieinander, die du für gut und zumindest ähnlich wie zu Hause befunden hast, sind sie eben doch nicht gleich. 

Vor lauter "gluten free" und "fat-free" und "no sugar" verliert man leicht den Überblick. Man könnte glatt auf den Gedanken kommen, Amerikaner ernähren sich alle nur gesund. Dabei sollen Studien zufolge im Jahr 2030 die Hälfte aller Amerikaner einen BMI von über 42 haben. 

Tja, alles in allem, unser gelingsicheres Kochen zu Hause hat eine Menge mit gewohnter, gleichbleibender Qualität unserer Zutaten zu tun. Sicher auch mit unserer Phantasie und dem Talent, aber wir verlassen uns doch eigentlich sehr auf die Wirkung und den Geschmack der bekannten Ingredienzien. 

Aber das einfache Essen war ein gute Entscheidung und ich glaube, alle waren zufrieden. G. mit dem familiären Tag und vielen gemeinsamen Erinnerungen, die Familie mit dem schönen Essen. Und wir beide mit dem sonnigen, aber sehr stürmischen Tag und das es allen gut geschmeckt hat.

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