Montag, 26. Mai 2014

Was für ein Schätzchen für #jteb : Des Raben rabenschwarze Kochgeschichten

Als ich Titel und Ankündigung vom Mikros Verlag gelesen habe, war ich schon sehr gespannt. Der Titel "Des Raben rabenschwarze Kochgeschichten - aufgelesen in einem schwäbischen Wirtschäftle" ist ja für mich, als Freundin der schwäbischen Lebensart und Küche, ein kleines Schmankerl.

Als ich das Buch in den Händen hielt, hatte ich so ein Gefühl, dass das ein kleiner Schatz ist. Werner Klein und Alfred Niethammer haben hier Geschichten, Anekdoten und Rezepte  gesammelt und genau in der Art zu Papier gebracht,  die dieses wunderbare schwäbische Lebensgefühl zum Ausdruck bringt.
Das kann man gar nicht so beschreiben, dass mag man und das fühlt man, dass spricht an, oder auch nicht. Die Schwäbin in mir ( Großvater ! ) lies mein Herz lachen. 


Mit freundlicher Genehmigung des Mikros Verlages
ISBN 978-3-943688-00-9


Das Trio komplett macht Gisela Pfohl. Diese Zeichnungen, mit Witz und Hintersinn, passen wunderbar zum Geschriebenen und machen es zu einem so tollen Erlebnis dieses Buch zu lesen.



Die Titelfigur, der Rabe, war das Markenzeichen des Koches Werner Klein, der das "Träuble" in Remstal führte. Leider kurz nach Erscheinen der ersten Auflage des Buches ist er verstorben.


Im Buch heißt es..."Das Köche auch Menschen und dabei oft auch gute Menschenkenner sind, beweisen die Rezepte, die aus diesem Wissen heraus entstanden sind...."










Zeichnung Gisela Pfohl 

Dann wollen wir mal schauen, was das Buch uns nicht nur an amüsanten Zeilen, sondern auch an kochbaren Rezepten beschert.

Es gibt Einfaches und Aufwendigeres (wie Lachsflädle oder gefüllter Kaninchenrücken) , Bekanntes und Neues (wie Hummereintopf oder Saure Rädle), Gesundes und Deftiges (wie Gemüsestreiche  oder Schlachtbraten), Erwartetes und Unerwartetes  (wie das Pastorenstück mit Spätzle oder Bahmi Goreng).

Die Rezepte sind übersichtlich dargestellt, kochbar beschrieben und nicht nur Beiwerk der Geschichten und Gedichte, sondern ihre sinnvolle Ergänzung. Das Eine ohne das Andere......da würde was fehlen.
Das es zur Stammtischgechichte die "Lumpensuppe" gibt, für die Neunmalgescheiten eine "Hirnsuppe" und beim Besuch der Schwiegermutter Hecht, wegen der Gräten, liest sich amüsant. 

Eine Leseprobe die mich schon zum Lachen gebracht hat, beschreibt sie doch eine Situation die es nicht nur im Land der als geizig verschrieenen Schwaben gibt, folgt hier für euch - zum Appetit machen auf das ganze Buch:

....LEICHENSCHMAUS

`S Päule, die verwitwete, kinderlose Tante ist gestorben. Die Hebamme war nicht mehr dran Schuld, denn unser Päule wurde 94 Jahre alt. Aber trotzdem blieb etwas übrig für die tieftrauernden Erbanwärter.
Es fragt sich: "Machet mer d`Leich nachmittags, no kommet mer oms Mittagessa nom? Aber da gibt`s nen Haufa Hocker, die gehen net gleich nach`m Kaffee ond dann wird`s au net billig, weil mer om a Pärle Bratwürst mit Kartoffelsalat au net nomkommt."
Also vormittags, da gibts nach dem Essen noch Kaffee und Hefekranz und getrunken wird auch nicht so viel.
Ein Schreiner von der Rauen Alb pflegte zu sagen: "Mir isch a schöne Leicht oder dr Wich lieber also so a dubbeliche Hochzich an Samschdich......"

Was das nun alles mit dem Pastorenstück zu tun hat, ich empfehle es selbst herauszufinden.

Zum Nachkochen habe ich mich für etwas entschieden, dass so einfach wie köstlich ist.
Malfatti, die Nocken aus Ricotta und Spinat, eines meiner Lieblingsessen. Nicht gerade das typischste aller schwäbischen Gerichte, aber es wurde ausgewählt, weil ich genau darauf gerade Appetit hatte ;)  Das Rezept schreibe ich euch am Ende des Beitrages und empfehle es dringend.

Neben dem Rezept findet man folgende Weisheiten:

"......Künstler speisen am liebsten umsonst! Sie glauben das ihre Worte, ihre Farben oder ihre Töne als Bezahlung mehr als ausreichend sind.
Bestimmt der Künstler den Zeitgeist oder umgekehrt? Das weiß der Zeitgeist selber nicht.

Kochkünstler beweisen Mut, weil sie vor geladenen Gästen nach nie zuvor erprobten Rezepten kochen. Sie haben keine Hemmungen und servieren mit Grandezza, auch wenn fast Ungenießbares ihrer Phantasie entsprungen ist.

Lebenskünstlern liegt es im Blut, immer rechtzeitig zur Stelle zu sein, wenn bei anderen der Tisch gedeckt ist. Sie haben das Schaffen nicht erfunden und lieben trotzdem flockig locker, denn der himmlische Vater ernährt sie doch......."




Fazit: Vom schönen Inhalt abgesehen, ein typografisch und von der Materialauswahl sehr gut gemachtes, feines Buch (Buchgestaltung Dieter Soldan, Redaktion Marion Niethammer) Das ist eines, dass man als schönes Geschenk  verwenden, aber auch selbst zum immer wieder lesen und freuen haben, und irgendwann vererben kann.



Rezept Malfatti

400 gr. Blattspinat, 100 gr. Ricotta (ital.Frischkäse)
100 gr. frisch geriebener Parmesan
2 Eier, 60 gr. Butter, 120 gr. Mehl
1 Schalotte gewürfelt
Salz, Pfeffer, Muskat

Den gewaschenen und geputzten Blattspinat in einen Topf geben, erhitzen und zusammenfallen lassen.
Etwas abkühlen lassen, auspressen und fein hacken.
Die Schalottenwürfel in Butter andünsten, den Spinat, Ricotta, die Hälfte des Parmesans und die Eier zugeben.
Nach und nach das Mehl einarbeiten und mit den Gewürzen abschmecken.
Nocken abstechen und in Salzwasser gar ziehen lassen, bis sie an der Oberfläche schwimmen.
Auf Platten anrichten, mit zerlassener Butter beträufeln und den restlichen Parmesan darüberstreuen.

Illustration Gisela Pfohl

Und noch einen schönen Spruch zum Ende:

"....Schwaben loben, wenn überhaupt, nur verhalten: `Ach wisset se, so gut wie i essa könnt, ka sowieso koiner kocha`
Höchstes Lob eines Schwaben ist: `s war scho recht`....Mehr hätte zur Folge, dass der Wirt seine Preise nach oben korrigiert."

Jeden Tag ein Buch: Initiatorin `Arthurs Tochter kocht`


#jteb Logo von Ariane Bille



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