Sonntag, 9. März 2014

Borschtsch und Pelmeni - ein russischer Abend

Пельмени и Борщ. Es gibt nicht mehr viele, die das lesen können, obwohl nach und nach werden es wieder mehr. Für uns die ungeliebte Fremdsprache zu der wir gezwungen wurden, wie zu vielen anderen Dingen, unser "Brudervolk" betreffend. Die Freundschaft zur Sowjetunion sollte unsere oberste Maxime sein, so war es verordnet.

Die heute Russisch lernen, lernen es freiwillig und rechnen sich mehr Chancen im internationalen Wirtschafts - und Politikgeschehen aus. Dazu mag man stehen wie man will, ich habe so meine negativ besetzten Erinnerungen, die ich hier nicht ausbreiten möchte.

Aber auch Positives ist hängen geblieben. Die wenigen Begegnungen (weil nicht gern gesehen !) mit sehr  netten, extrem gastfreundlichen Menschen. 
Die Versorgung mit raren Artikeln des täglichen Lebens, wie die schöne, fette saure Sahne und die Ölsardinen in der Büchse. Die bekam der zur Belohnung bezw. zum Kauf, der sich in die Versorgungsstellen der russischen Besatzung geschlichen hat - das "Russenmagazin". Und die sehr guten russischen Bonbons, mit viel Schokolade, die nicht nach Sägemehl geschmeckt hat.

Ja, in den Zeiten meiner Jugend war die Kulinarik fern ab unserer Interessen, oder besser unserer Möglichkeiten. Erst in den letzten 25 Jahren war es mir und vielen anderen möglich, Dinge zu entdecken und kennen zu lernen, die die Feinschmecker westlich von uns schon mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Aber darüber wird nicht gejammert, es wird nur festgestellt und wir waren ja schließlich die Meister der Improvisation und unsere Wissbegierde hinsichtlich des Lebens und Essens in fremden Ländern haben wir immer auf unterschiedlichste Art und Weise befriedigt.

Und wir wussten wie man "Nutella" herstellt aus gesüßter Kondensmilch und Kakao. Und unsere Kapern waren aus Früchten der Kapuzinerkresse oder Gänseblümchenblüten. Unser Zitronat aus grünen Tomaten und in unserem Ketchup waren wenigstens 50% Apfelmus.
Lang, lang ist`s her. Und warum hab ich mich eigentlich in der Richtung so verplaudert? Weil ich dieser Tage den Einfall hatte mal etwas zu kochen, dass ich  u.a. aus den ganz oben genannten Gründen 25 Jahre nicht mehr gekocht habe, glaub ich.
Herr und Frau pe. machen also einen Russischen Abend. Heute mal wieder mit Rezeptservice. 




Pelmeni, die Teigtasche mit Hackfleischfüllung, war Speise der Kutscher auf langen Reisen durch Sibirien. Man kann sie gut einfrieren und noch heute bekommt man sie an den Haltepunkten der Transsibirischen Eisenbahn von den Imbiss anbietenden Frauen gereicht.

250 gr Mehl
1 Ei, 3 Essl. Wasser
300 gr. Hackfleisch vom Schwein
(ich nehme auch gern Brät aus der Bratwurst, das ist feiner gekuttert)
1 Ei für den Teigrand
200 gr. Schmand
Petersilie oder Schnittlauch
1 große Zwiebel, etwas Mehl
Salz, Pfeffer



Du machst einen Nudelteig aus Mehl Ei und Wasser, der hier auch gesalzen wird. Nach gutem Durchkneten und ein bisschen Ruhezeit wird der mit dem Nudelholz von der Oma (das hast du doch noch, oder?) ausgerollt. Zum Ausstechen nehme ich ein Teeglas, dass hat geschätzte 6-7 cm Durchmesser und das passt. Die Teigkreise werden rundherum mit Eiweiß oder Eigelb eingepinselt und ein Kügelchen vom gewürzten Hackfleisch oder Brät darauf gelegt.



Denn faltest du die Kreise in der Mitte, drückst die Enden gut zusammen, so daß auch die Luft raus geht und die beiden Zipfel rechts und links legst du übereinander  und drückst sie ebenfalls fest an. 
In leicht simmernden Salzwasser köchelst du sie jetzt 15 Minuten. Zum Anrichten gibt es verschiedene Varianten. Wir mochten immer gern die mit sauerer Sahne (hier Schmand) und gerösteten Zwiebeln. Das ist mal nicht die italienische Variante, aber es schmeckt sehr gut und ist ein Sattmacher.



Borschtsch - der "russische" Eintopf, der ja eigentlich aus der Ukraine stammt. Die aktuelle Geschichte lehrt uns, dass das nicht aus einem Topf kommt.



2 Ltr. Fleischbrühe aus einem gut durchwachsenen Rindfleisch
gekocht mit einer ganzen Zwiebel, Lorbeerblatt und Suppengemüse
200 gr. Weißkohl
150 gr. Kartoffeln
200 gr. rote Beete - hier auch möglich die süß-sauer eingelegten,
dann bei der Zubereitung den Essig weglassen
1 Karotte
saure Sahne, etwas Schnittlauch
etwas Essig, Salz, Pfeffer




Die Rindfleischbrühe  gibst du erst mal durch ein Sieb, um das ausgekochte Gemüse zu entfernen. Das Fleisch schneidest du in 2 cm große Würfel.
Den Weißkohl schneidest du in Streifen, ebenfalls die Kartoffeln sowie rote Beete und Karotte. In der Brühe kochst du Kraut, Kartoffeln, Karotte, etwa 15 Minuten bissfest. Die rote Beete (wenn sie noch roh ist) solltest du in Schmalz schmoren und dann dazu geben. Ich verwende, wie oben beschrieben, rote Beete aus dem Glas, die gebe ich am Ende auch dazu. Kurz aufkochen lassen und mit Salz, Pfeffer, Zucker (ggf. Essig, siehe oben) abschmecken. Mit einem Löffel Schmand und etwas Schnittlauch anrichten.





Kommentare:

  1. Russischer Abemd...ich gebe zu, käme mir nicht wirklich in den Sinn. Irgendwie ist das russische bei mir noch negativer besetzt, als bei dir. Schlimme Erinnerungen. Waren doch zu DDR-Zeiten russische Soldaten bei uns kaserniert. Und russische Atomraketen waren keine 10Kilometer weit weg von uns stationiert. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.
    Aber das hat ja nix mit deinem Essen zu tun. Das sieht wirklich ganz köstlich aus. und ich glaub auch, dass es bestimmt auch so geschmeckt hat.
    Ich bleibe da aber dann doch lieber bei meiner Soljanka. Wobei das Rezept sicher ziemlich eingedeutscht worden ist.
    LG Sandra

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    1. Liebe Sandra, vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.
      Ähnliche Erinnerungen wie Du habe ich auch, wie sicher viele, die in der DDR groß geworden sind. Das waren alltägliche, negative Begleiterscheinungen unseres Lebens, die wir nie vergessen werden.
      Und wie aktuell das Thema Russland gerade wieder ist, hätte ich in Vorbereitung dieses Posts nicht gedacht. Also trotz des Fokus auf unser liebstes Hobby.....immer Augen auf und Nichts vergessen !

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