Donnerstag, 20. Februar 2014

Das Fettbrot

Es war in den 70-ern und er hieß Benno. Er war der Clown in der Clique. Immer unbeweibt, da ihn keine richtig ernst nahm. Immer dabei und gern gesehen, viel Spaß gab es mit ihm. Und er war gelernter Koch, arbeitete in einem damals schon renommierten Haus, dem Hotel Elefant. 

Schöne Tradition, das Ende einer Fete mit einem gemeinsam gegen Morgen gekochten Essen zu beenden. Da saßen wir bei Sonnenaufgang und aßen Nudeln. Und Benno prägte zu diesen Höhepunkten in der Küche den Satz......ich kann kochen was ich will, es wird immer Gulasch......

Benno kommt eines Nachts von der Arbeit und hat den Wohnungsschlüssel vergessen. Er klettert zwei Meter ums Eck, außen am Haus, vom Flur zum Küchenfenster und stürzt ab. Aus dem dritten Stock. Er war sofort tot.

Diese zwei Begebenheiten sorgen dafür das ich mich heute, nach so vielen Jahren, oft an Benno erinnere. Die erste hätte mir genügt.

Und noch etwas erinnert mich. Wenn bei ihm gefeiert wurde, gab es diese legendären Fettbrote. Frisches Brot. Fett. Gurke. Wodka. 
Und was waren das für Fettbrote, richtige, die ihrem Namen alle Ehre machten. Mit Fett und nicht zu knapp. Nicht wie heute, so weichgespülte, dünn bestrichene, heimlich verdrückte. Schon der Name.....F e t t ! Das traut man sich ja gar nicht öffentlich laut zu sagen. Das böse F- Wort! Gut, ich geb`s zu, da gibt es noch eins, aber ich meine das!

Ja, die 70-er, da war man noch verschwenderisch mit Dingen, mit denen man heute geizt. Da haben wir Nachrichten noch mit 10 Fingern getippt, heute reichen uns zwei Daumen. Und an jede Suppe kam eine Mehlschwitze, mit reichlich Mehl.......ach du Schreck, jetzt gehen die Pferde mit mir durch...... nicht alles war gut.

Welche Art Fett da aufs Brot kam, die Erinnerung hat die Zeit nicht überdauert. Aber jetzt wo mir das einfällt und ich es niederschreibe, bekomme ich plötzlich einen Riesenappetit. 
Worauf wohl?


Ich lass mir also Fett aus, so wie es in unserer Familie Tradition ist. Aus geräuchertem Speck. Ich denke, dass unterscheidet es von anderen. Den schneide ich in Mini Würfel, denn das gibt am Ende so wunderbare kleine, knackige Griefen. So sagen wir, ihr kennt vielleicht Griepen, Kracherlchen oder Grammeln. 

Ist alles Fett geschmolzen bei sehr kleiner Hitze, kommt vorsichtig eine auch schön klein geschnittene Zwiebel hinzu. Langsam dazu geben, weil das Fett durch die Feuchtigkeit schäumt. Ist der Schaum verflogen den Moment abpassen, wo die Zwiebeln gerade goldgelb werden und dann vom Feuer ziehen. Die Zwiebeln garen nach und werden sonst zu braun. Kurz davor kommt in das Fett noch ein guter Teelöffel getrockneter, gerebbelter Majoran.

Etwas abkühlen lassen und in ein Schraubglas füllen. Mal eine Weile auf den Kopf stellen, damit der Inhalt sich verteilt.  Ich mach immer maximal die Menge für ein Glas, denn zuerst stillt man den großen Appetit, dann isst man nochmal und den Rest kann man schon wieder gut verwenden unter herzhaftes Gemüse oder zum braten. Zum Beispiel von einem Rührei, rustikale Variante, sehr lecker.

Und solange diese Gelüste so auf ein- zweimal im Jahr beschränkt bleiben steh ich auch dazu, zum FETTbrot.



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