Samstag, 7. November 2015

Tim Mälzers Off Club in Hamburg: Lass dich auf eine Reise ein......

Ich sitze noch am Schreibtisch im Hotel und verdaue den gestrigen Abend, der mir eine kulinarischen Reise ins Ungewisse beschert hat.

Nach einem aufregenden Tag, über den es später noch genaueres zu berichten gibt, war ich so ein bisschen in einer Hamburg-Abschiedsstimmung. Wer weiß, wann es mich noch einmal hier her verschlägt. Aber nicht sentimental war mit zumute, sondern ich war einfach nur ausgeglichen und wollte mir etwas gönnen, an das ich noch eine Weile zurück denken könnte. 

Dem Umstand, dass mein Hotel und der neue Off Club von Tim Mälzer (seit 2013) nur wenige Minuten voneinander entfernt waren ist es zu verdanken, dass ich mich für einen kulinarischen Abend dort entschieden habe. Die vorherige Information gab mir nur eine amtemberaubende Weinkarte preis ( online hier ! ) und neben einem guten a la carte Angebot, erfuhr ich vom Menü 'Madame X'. Das klang spannend und so entschloss ich mich, ohne weiter Informationen , einen Tisch zu reservieren.

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch
Die Card blanche zum Menü umschreibt alles. Traditionelles kochen mit 100 Grad Wasser und 200 Grad Ofen - und gegessen wird fast immer mit dem Löffel !


Es geht in`s Souterrain, in eine Mischung aus Tex-mex und Comic. Das Ambiente gefiel mir gut, so zwischen durchgestylt und lässig, teilweise ziemlich plüschig im roten Salon von Madame X. Der Service war locker und unkonventionell. Nicht jedem gefällt das er geduzt wird, mir schon. Ich war also voller Erwartung als Timo mir versprach, ich werde einen richtig schönen Abend haben. Und er sollte recht behalten. 

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch


In Sachen angekündigter DJ war ich erst einmal skeptisch. Doch genau er war mit seinen Platten am Ende das Tüpfelchen auf dem i. So kann man schnell Vorurteile los werden, super Musik, das ruhige aus Soul und Blues, schöne Titel aus alten Zeiten. Für mich jedenfalls genau das Richtige.

Es gibt Lokale, da sitzt du als einzelner Gast gefühlt allein in einer Ecke. Hier  kam ich mir dank des Services, der Musik und des ganzen Flairs nicht einen Moment 'doof' vor, wie zu manch anderer Gelegenheit, seit ich ab und an allein auf Reisen und auch essen gehe. Eine eindeutige Einzel-Esser-Empfehlung wird hiermit ausgesprochen.

Im Off Club steht der kreative, junge Küchenchef Thomas Imbusch, seines Zeichens Schüler von Christian Bau und Alain Ducasse,  am Herd und seine Handschrift betont die bodenständigen Produkte auf eine sehr subtile Art und Weise. Manche Teller mit eindeutigem Aha-Erlebnis ( Sauerkraut mit karamellisiertem Sauerteigbrot) und andere auf das Wesentliche reduziert ( Grünkohl). Auch das derzeitige Lieblingsthema der Gastronomie, from nose to tail, durfte mit Recht nicht fehlen ( Hot Pot mit Hühnermagen in Doppelconsommé vom Hühnerfuss) und das Huhn im Hauptgang , dessen Geschmack noch lange angenehm nachklang, war wunderbar. Den kleinen süßen Burger nach dem Dessert hätte ich nicht gebraucht. 

Ich erfahre, oberstes Gebot bei der Zusammenstellung des Menüs ist, dass regional und saisonal gekocht wird und die Produzenten und Lieferanten der Zutaten, Freunde und Leute um die Ecke sind, bis hin zur Familie (Hauptgang Huhn von Oma Blanke !). Jedem einzelnen Gang schmeckt man das an, dass hier nicht schnick-schnack aus aller Welt verkocht wird, sondern heimisches mit Liebe zum Detail. 

Der Themenwechsel ist schleichend, nicht das ganze Menü wird ausgetauscht, sondern einzelne Komponenten und so geht es mit den Jahreszeiten mit. Derzeit waren wir bei Wald und Erde und Herbst. Ich habe erst überlegt, ob ich euch das Menü in allen Facetten schildern soll, weil dann ist es ja keine Überraschung mehr. Aber da es immer einem Wechsel unterliegt,  möchte ich es gern beschreiben.

Da ich ja eigentlich ein Kontroll-Freak bin, bestimme ich auch gern was ich esse und trinke. Hier habe ich mich auf den Versuch eingelassen vorher nichts zu wissen und habe es nicht bereut.  Das Menü gibt es natürlich auch mit Weinbegleitung.  Ich habe mich für 3 passende Weine entschieden, die Timo für mich aussuchen sollte, da ich ja den Weg zurück allein finden musste.

Von der ersten sensorischen Einführung bis zu der aus 50 cm Höhe auf den Teller gestürzten, wohlschmeckenden, dünnwandigen Schokokugel, die ihr Innerstes Rum-Trauben-Nuss in Form von Eis , Haselnüssen und Trauben bereitwillig frei gab, war es für mich ein Menü der Extraklasse. Danke für den schönen Abend.


Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Die Einführung:  Tatar mit geräuchertem Kaviar und Kräuter creme
Pochierte Auster mit knusprigem Lardo
Rote Bete Baiser mit Kohlrabi

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Stracciata, Buchenpilze, fermentierte Champignons, Pinienkerne, Chips (?) , Wacholder, Büffelmilch

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Brotzeit: Selbst gemachte Butter, lang gereifter Schinken, KümmelBrot aus dem Blumentopf

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Sauerkrautsaft, karamellisiertes Sauerteigbrot, Butter, Forellenkaviar, Dill... (!)

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Grünkohl, getrocknete Berberitzen, Sonnenblumenkernmilch, Traubenkernöl

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Rotkohl, Waller, Leber vom Waller, kross gebratene Hühnerhaut, Perlzwiebeln

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Hot Pot : Entenmagen, Kalbsmark, ....Pilz, rohes,gewässertes Lauch, doppelte Entenfussconsomé.

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Zur Entspannung: Gin Tonic Granite

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Huhn von Oma Blanke, Preiselbeeren, Soße ...(!)

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Dessert: Rum-Traube-Nuss

Tim Mälzer Off Club Hamburg Thomas Imbusch

Mini- Brioche Burger mit Parfait von dunklen Früchten

Kommentare:

  1. ohhh!! Das klingt mehr als erfreulich, Petra!
    Leider bis ich mal nach Hamburg komme, wird noch einige Zeit vergehen.
    Was genau hat dir am kleinen Burger nicht geschmeckt? Aussehen tut er interessant!

    Danke fürs Mitnehmen!
    lg. Sina

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    1. Oh Sina, da hast du etwas falsch verstanden. Der kleine süße Burger hat wunderbar geschmeckt. Zum einen konnte ich gar nichts mehr, weil sehr satt und zum anderen war er mir nach dem Dessert Höhepunkt nicht mehr nötig, eher ein "Abstieg" ;)

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