Dienstag, 1. September 2015

Meinung sagen : #bloggerfuerfluechtlinge

Foodblogschreiber, die sind doch nur am Essen und Kochen interessiert, einspurig, oberflächlich, nichts anderes zählt. Wer bin ich denn schon, dass ich hier den Mund aufmachen kann. Wen interessiert denn das überhaupt. Lange habe ich überlegt, ob ich mein Statement abgeben soll. Passt das so zwischen Schnitzel und Torte ? 

Ja, passt ! Und wie !

Wir feiern unseren Spleen und schreiben lockere Geschichten um alle unsere schön präsentierten Gerichte. Kummer und Sorgen bleiben vor der Küchentür ? Bei Weitem nicht. Warum können wir uns so auf das konzentrieren, was unser vermeintlich Wichtigstes geworden ist ? Weil es uns gut geht, verdammt gut. Ich meine nicht die kleinen Alltagssorgen, die sind doch wirklich zu vernachlässigen gegen das Existenzielle, was andere Menschen antreibt ihre Heimat zu verlassen und einen langen, gefährlichen Weg auf sich zu nehmen. Ihr Leben dafür aufs Spiel zu setzen, um vielleicht ein sicheres Leben führen zu können. Ohne Terror, ohne Gewalt, ohne tägliche Angst um das Leben der ganzen Familie.

Ich kann kein Beispiel anführen, in unserer Familie war noch nie jemand auf der Flucht. Man hatte eine über lange Jahre angestammte sichere Existenz hier. Ein Haus gebaut vom Urgroßvater, die Urgroßmutter hat die Steine mit dem Korb nach oben getragen, die dann vermauert wurden. Darin leben wir jetzt. In diesen Haus haben in den letzten Kriegsjahren 3 Familien mehr gewohnt als vorgesehen. Die Urgroßmutter und die Oma haben sie aufgenommen, weil sie auf der Flucht waren vor Krieg und Not. Mit ihren Kindern. Wir haben uns oft darüber unterhalten. Es war selbstverständlich. Keiner hatte Angst davor, dass diese Menschen ihnen etwas wegnehmen. 

Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich diese meine Heimat verlassen müsste. Es würde mir das Herz brechen. Das ist Familie und das ist mein Leben. Vielleicht kann ich mich deshalb so in die Menschen hinein versetzen und mit ihnen fühlen. Und täglich erlebe ich ein Wechselbad der Gefühle. Zwischen Wut, Sprachlosigkeit und unendlich großer Trauer. Ich sehe Kinderleichen am Strand, höre von Menschen die in einem LKW erstickt sind, oder deren seeuntüchtigte Boote sinken und, ich muss es so schreiben, verstehe eigentlich die Welt nicht mehr.  Warum muss es so weit kommen ? Warum ergreifen nicht die von uns auserwählten Politiker Initiative in unserem Namen und helfen.  Setzt euch an einen Tisch und redet und macht einen Plan, der sofort in die Tat umgesetzt wird. Ihr könnte das doch auch, wenn es um die Rettung der Banken geht. Macht es hier, jetzt und sofort ! 

Und stellen wir uns auch denen entgegen, die das Maul aufreißen und sich als vermeintliche Gutmenschen fühlen. Wer zu  dumm ist um seine Meinung zu formulieren, zündet das an, was er nicht wahr haben will.  Das bisschen Dach über dem Kopf derer, die sich hier in eine neue sichere Zukunft retten wollen. Wehret den Anfängen. Habt ihr nicht manchmal in den vergangenen Jahren gedacht, was haben sie nur immer mit den Nazis, es ist doch so lange her, da sind wir doch längt darüber hinweg. Oh nein, sie sind unter uns , stehen uns gegenüber und wir müssen uns positionieren gegen sie. Es können unsere Nachbarn sein, unsere Kollegen. Also: Mund aufmachen und mit ihnen reden !

Ich werde versuchen zu helfen, dass die Menschen die zu uns kommen, eine neue Heimat finden. Für so lange wie es sein muss, oder für immer. Was ich tun kann, werde ich sehen und es auch nicht weiter öffentlich machen. Und ich reihe mich jetzt ein in die Gruppe derer, die sich im Rahmen von #bloggerfuerfluechtlinge äußern und engagieren. Vielleicht wird mein Enkel oder Urenkel dann auch einmal davon berichten, wie wir in dieser Zeit Fremden ein Dach über dem Kopf gegeben haben und eine neue Heimat. 

Ich bin froh, dass es so viele sind, die sich hier und auch anderswo so äußern und helfen wo und wie sie können. Wem Zeit und Möglichkeit fehlt, persönlich etwas zu tun, der kann auf dieser Seite auch spenden. In der kurzen Zeit des Bestehens dieser Initiative sind bis heute über 83 Tausend Euro (in 8 Tagen) zusammen gekommen.


#bloggerfuerfluechtlinge

Blogger für Flüchtlinge ist eine Initiative von Nico LummaStevan PaulKarla Paul und Paul Huizing.






1 Kommentar:

  1. Das hast du wunderbar formuliert, danke dafür.
    Ich habe auch überlegt, ob ich etwas sagen soll und es dann getan. Und ich finde es einfach klasse, wie jeder, der den Mund aufmacht, immer noch ein paar neue Aspekte beleuchtet. Nicht nur, dass es selbstverständlich sein sollte, dass wir Flüchtlinge aufnehmen. Es ist auch wichtig, Flagge zu zeigen. Also nochmal danke :-)

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